| Donnerstag, den 16. September 2010 um 11:23 Uhr |
| „Es gibt zu wenig Deutsche, die wirklich spielen“ |
| Von Andrea Raithel |
Nach Fabian Brütting gibt ein weiterer Neuzugang des Nürnberger Basketball Clubs Auskunft über seine Person, seine Sicht auf den deutschen Basketball und die bevorstehende Saison: Sebastian Barth. Wie Brütting kommt der 25-Jährige vom BBC Bayreuth, mit dem er in den abgelaufenen Saison nach zuvor langen Jahren in seinem Heimatverein Langen die Pro-A-Meisterschaft und den DBB-Pokalsieg feierte.![]() Guard Sebastian Barth will mit dem Nürnberger Basketball Club in die Pro A aufsteigen. Foto: Sportfoto Zink Sebastian Barth: „Ich habe mich für das Angebot aus Nürnberg entschieden, weil mir zum Einen das Konzept und die Ziele des Vereins im Hinblick auf die nächsten Jahre gut gefallen haben und ich zum Anderen noch einmal für Derrick Taylor spielen wollte. Davon abgesehen ist Nürnberg natürlich auch eine sehr schöne Stadt, das hat auch eine kleine Rolle gespielt.“ Beschreib Dich kurz – wie bist Du auf und abseits des Courts? Sebastian Barth: „Ich würde mich als einen ruhigen, gelassenen und freundlichen – zumindest versuche ich Letzteres (lacht) – Menschen beschreiben. Ich glaube, da unterscheide ich mich auch nicht auf und abseits des Feldes. Normalerweise muss schon ein bisschen zusammenkommen, um mich aus der Reserve zu locken, bei aus meiner Sicht falschen Schiedsrichterentscheidungen geht das meistens aber ein wenig schneller.“ Bist Du in Nürnberg schon ein bisschen herumgekommen? Die Stadt ist ja doch größer als Langen und Bayreuth… Sebastian Barth: „Leider noch nicht so wirklich. Natürlich war ich schon kurz in der Innenstadt und habe auch einen kleinen Spaziergang entlang der Pegnitz gemacht. Ansonsten gibt es aber noch viel zu entdecken.“ Hast Du die Weltmeisterschaften in der Türkei verfolgt? Wie schätzt Du die Leistung der Deutschen ein? Sebastian Barth: „Ja, die Weltmeisterschaft habe ich verfolgt. Ich denke, die USA haben verdient gewonnen. Die deutsche Mannschaft wird sich sicherlich sehr geärgert haben. Nach dem tollen Auftritt gegen Argentinien und dem Sieg gegen ersatzgeschwächte Serben hätte sie trotz der Schlappe gegen Australien ein Weiterkommen verdient gehabt. Wenn man von drei knappen Spielen nur eines gewinnt, hat auch vielleicht am Ende das Quäntchen Glück gefehlt. Es war aber sicherlich eine tolle Erfahrung für die junge Truppe, von der sie in Zukunft profitieren wird.“ Hat der deutsche Basketball ein Nachwuchsproblem? Du kennst Dich aus, hast Jugendnationalmannschaften durchlaufen? Sebastian Barth: „Das ist eine schwierige Frage. Die Erfahrung, die ich in meiner Nationalmannschafts-Karriere gemacht habe, ist, dass viele andere Nationen vor allem in etwas jüngerem Alter körperlich schon weiter waren und über einen größeren Erfahrungsschatz verfügt haben, was sicherlich daran liegt, dass sie früher als wir Deutschen auf hohem Niveau spielen. Vor allem Letzteres ist aus meiner Sicht ein ganz großes Problem in Deutschland. Ob BBL oder Pro A, es gibt insgesamt zu wenig Deutsche, die wirklich spielen. Über die Gründe lässt sich streiten. Allerdings zeigt sich für mich immer wieder, dass, wenn man deutsche Spieler spielen lässt, sie auch auf diesem Niveau mithalten können. Das haben nicht zuletzt die Nationalspieler bei der letzten EM und der WM diesen Sommer unter Beweis gestellt. Alles in allem muss man, denke ich, im Nachwuchsbereich vielleicht noch einen Tick besser ausbilden, aber man muss junge talentierte Spieler vor allen Dingen spielen lassen – auch auf hohem Niveau.“ Wie hast Du die Vorbereitung empfunden? Seid ihr hungrig auf die Saison? Sebastian Barth: „Ich fand die Vorbereitung insgesamt ganz gut. Thomas Burger, unser Athletiktrainer, hat uns in den ersten beiden Wochen ordentlich auf das Training in der Halle eingestimmt. Wenn in anderthalb Wochen die Saison dann losgeht, werden wir trotz der kleineren und größeren Blessuren, die einige von uns in der letzten Zeit davongetragen haben, körperlich und spielerisch gut vorbereitet sein. Als Mannschaft harmonieren wir immer besser, wobei auch noch viel Luft nach oben ist. Dieses Potential werden wir versuchen, in der Saison auszuschöpfen. Wenn uns das gelingt, wird es mit Sicherheit nicht ganz einfach, uns zu schlagen.“ Wie schätzt Du die Liga ein? Wen muss der NBC im Kampf um die besten Plätze der regulären Saison auf dem Radar haben und wen in den Playoffs? Sebastian Barth: „Als ich vor zehn Jahren in der zweiten Liga angefangen habe zu spielen, konnte man eine Liga noch ganz gut einschätzen. Das hat sich heutzutage aufgrund der hohen Fluktuation der Spieler völlig verändert. Da die Pro B für mich Neuland ist, bin ich selbst gespannt darauf und kann es überhaupt nicht einschätzen.“ Was erwartest Du Dir selbst für die kommende Saison? Sebastian Barth: „Dass ich so gut wie möglich zum Erreichen unseres Saisonziels beitrage.“ Was könnt ihr als Team erreichen, was ist euer Ziel? Sebastian Barth: „Was wir als Team erreichen können, ist mit unserem Saisonziel identisch, nämlich aufzusteigen.“ Deine Botschaft an die Basketballfans in Nürnberg… Sebastian Barth: „Meine Botschaft ist, dass wir natürlich unser Publikum brauchen, um das Ziel Aufstieg in die Pro A zu verwirklichen. Ich bin mir sicher, dass wir auf dem Feld alles geben werden und dabei hoffentlich auch ansehnlichen Basketball spielen. Es wird aber mit Sicherheit Tage geben, an denen uns das nicht gelingt und besonders dann werden wir unsere Fans brauchen, um gemeinsam solche Spiele zu gewinnen. Auf diese Unterstützung hoffe ich natürlich.“ |