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Samstag, den 10. Januar 2009 um 21:32 Uhr
Brose Baskets leisten basketballerischen Offenbarungseid
Von Felix Pflaum   

Wer zu Schulzeiten den Unterschied zwischen "mangelhaft" und "ungenügend" nicht verstehen wollte, dem sei die Videonachbetrachtung der BBL-Begegnung Brose Baskets gegen Köln 99ers wärmstens empfohlen. Mangelhaft, dafür standen die Gäste aus dem Rheinland, die zeigten, weshalb ihnen bis dato nur vier Saisonsiege gelungen waren, für ungenügend die Gastgeber, die sich bei der peinlichen 65:71 (35:36)-Heimniederlage bis auf die Knochen blamierten.


{mosimage}Von der ersten Sekunde ließen die Oberfranken vor ausverkauftem Haus durch ihr Auftreten und ihre Körpersprache durchblicken, dass sie keinerlei Inter- esse daran hatten, sich gegen die eifrigen Gäste aus dem Rheinland die Finger schmutzig zu machen. Als ob sie unangefochtener Tabellenführer wären und nicht eigentlich um die Playoffplätze kämpfen müssten, trab- ten sie selbstgefällig in dem Glauben über das Parkett, dass die Gäste sich schon irgendwann selbst be- siegen würden. Als wäre es ohnehin verlorene Lie- besmüh', schenkte man die Rebounds von Beginn an ab, 18 Mal durften die 99ers im Verlauf der für das Publikum quälenden 40 Minuten unter dem Bamberger Korb nachfassen.

 

Zäh wie Kaugummi zog sich der erste von drei Bamberger Heimauftritten innerhalb einer Woche hin, wer von den Zuschauern für die kommenden Begegnungen noch keine Karte besaß, wird sich ein Wiederkommen gegen Belgrad oder Braunschweig schwer überlegen. Dass ein Tim Ohlbrecht in Normalform, konfus und bei jeder Zuckung des Gegners sofort in der Luft, zum effektivsten Akteur der Brose Baskets avancierte, sagt viel über die Vorstellung des Teams aus, die Szene direkt vor dem Seitenwechsel, als Demond Greene und Peja Suput an der Mittellinie ein Kölner Pick-and-Roll switchten, so dass der rührige Jeremy Hunt Suput gegen sich hatte und dem fußlahmeren Serben den Sprungwurf zum 35:36-Pausenstand ins Gesicht drücken durfte, wie wenig die Bamberger gedanklich im Spiel waren.


Die Quittung dafür bekamen sie dann im vierten Viertel, just, als sie eigentlich dachten, ihre Kontrahenten endgültig eingeschläfert zu haben. Nach Filiberto Riveras vier Zählern zum 58:54 schienen die Bamberger nur darauf zu warten, dass die Kölner doch nun bitte endlich die Waffen zu strecken hätten, Jeremy Hunt wollte es sich aber nicht nehmen lassen, vor so großer Kulisse noch ein wenig durch die weißen Holzpfosten Slalom zu laufen. Mit fünf Punkten in Serie brachte er die 99ers wieder auf die Siegerstraße, die Spieler der Brose Baskets vergaßen vor Schreck sogar, im Angriff die Bälle festzuhalten und reihten Turnover an Turnover.

 

Brose-Headcoach Chris Fleming in der Pressekonferenz

 

Dass ausgerechnet der erfahrene und sonst als Defensivspezialist bekannte Demond Greene den Kölnern den Sieg auf dem Silbertablett servierte, indem er beim Stand von 65:68 eine Minute vor dem Ende Jeremy Hunt durch ein völlig deplatziertes Foul beim Ballvortrag zwei Punkte von der Freiwurflinie schenkte, fügte sich nahtlos in einen grauenhaften Basketballabend ein. Mit den Köln 99ers, die den Bambergern durch Pässe in die dritte Zuschauerreihe und Schrittfehler immer wieder Hintertürchen offen gelassen hatten, gewann an diesem Abend verdient die weniger schlechte zweier dürftiger Mannschaften.


Stimmen zum Spiel:


Drasko Prodanovic (Headcoach Köln 99ers): „Erstmals haben wir diese Saison relativ clever agiert, nicht nur ein halbes Spiel lang. Wir hatten Bamberg in Bonn sehr genau angeschaut und ihre kleinen Probleme erkannt, an denen wir sie packen wollten. Edin Bavcic gibt uns eine andere Qualität, seine Präsenz ist für die Mannschaft enorm wichtig. Wir haben großen Respekt vor Bamberg, sie werden sicher ihren Weg diese Saison noch gehen. Sicherlich hatten wir es leichter, weil Bamberg noch international spielen musste und wir dadurch am Schluss vielleicht ein wenig frischer waren, doch man muss das Spiel dennoch erst einmal gewinnen. Wir sind zufrieden, weil unsere Mannschaft Charakter besitzt, das macht uns Mut."


Chris Fleming (Headcoach Brose Baskets): „Es gibt nicht viel zu sagen, was nicht schon offensichtlich auf dem Feld gewesen wäre. Offensiv hatten wir große Probleme, konnten nichts von unserem Setplay richtig durchziehen. Demond Greene und Peja Suput haben angeschlagen gespielt, das darf aber keine Ausrede sein, weil wir eindeutig am defensiven Brett das Spiel verloren haben. Köln hat mehr offensive Rebounds geholt als wir defensive, gerade unsere Guards wären in unserem momentanen kleinen Lineup gefordert gewesen, hatten aber immer das Nachsehen. Wir müssen uns fragen, wie es passieren kann, dass wir vor eigenem Publikum zu wenig Herz zeigen. Ich weiß keine Antwort auf die Frage, warum die Mannschaft 40 Minuten lang nicht das umsetzen konnte, was vorgegeben war."


Wolfgang Heyder (Manager Brose Baskets): „Ich denke, in der ersten Halbzeit waren wir klar besser, haben das Spiel aber dennoch nicht in Griff bekommen, sei es aufgrund der zwei jüngsten Niederlagen oder weil der rechte Biss gefehlt hat. Nach der Pause sind die Kölner besser aufgetreten und haben uns damit jeden Rhythmus genommen. Zudem waren über die gesamte Partie im Rebound unterlegen, obwohl wir wussten, dass Köln ein sehr athletisches Team hat. Man wird jetzt energisch mit der Mannschaft umgehen müssen. Die Spieler werden schließlich gut bezahlt. Bei dem einen oder anderen muss man sich schon fragen, mit welcher Einstellung er ins Spiel geht. Unsere Aufbauspieler haben sicher die ein oder andere unglückliche Entscheidung getroffen, aber ein Spiel wird in der Verteidigung entschieden. Was Suput und Newson dort geboten haben, war unter aller Sau. Sie haben zu keinem Zeitpunkt ihre Gegenspieler in den Griff bekommen. Ich werde mit Chris Fleming sprechen, wie er die Situation sieht. Es ist ganz klar, dass die Mannschaft jetzt die Antwort geben und alles in die Waagschale werfen muss."


Brose Baskets: Suput (13), Greene (8), Rivera (8), Taylor (8), Garrett (7), Ohlbrecht (7), Jordan (6), Newson (5), Wyrick (3), Tadda

Köln 99ers: Hunt (21), Gordon (12), Terrell (10), Bavcic (10), Schoo (7), Turner (6), Catovic (3), Nikolic (2), Fereti, Pleiß, Schwethelm

Ausführliches Scouting

 
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