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| Samstag, den 21. August 2010 um 11:23 Uhr |
| WM-Vorschau Gruppe A: Zwischen Jugend und Routine |
| Von Joshua Wiedmann |
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In der WM-Gruppe A treffen einige Gegensätze aufeinander. Während Argentinien mit einer erfahrenen Auswahl die WM-Krone jagt, gehen Serbien und Deutschland mit vielen Jungspunden in das Turnier. Australien hofft auch ohne Center Andrew Bogut auf das Erreichen des Viertelfinals. Für Angola und Jordanien hingegen wäre schon das Achtelfinale ein Riesenerfolg. Crossover hat die Teams unter die Lupe genommen. Angola: Endlich reif für die Weltbühne? In Afrika ist Angola seit vielen Jahren die dominierende Nation, wenn es um Basketball geht. Im vergangenen Jahr gewann die Mannschaft von Nationaltrainer Luís Magalhães die zehnte der letzten elf „Afrobaskets“, wie sich die afrikanischen Kontinentalmeisterschaften nennen. Den Erfolg auf dem eigenen Kontinent konnte Angola zuletzt aber nicht auf die internationale Bühne transferieren: Nach dem Erreichen des Achtelfinales bei der WM 2006 wurden die Afrikaner bei Olympia 2008 mit fünf Vorrundenpleiten bitter zurechtgestutzt. Vor allem der Mangel an internationaler Erfahrung wirkte sich in der Vergangenheit oft negativ aus. Auch in der Türkei wird Angola eine Mannschaft mit nur wenigen erfolgreichen Legionären ins Rennen schicken. Der ehemalige Kölner Joaquim Gomes ist der emotionale Anführer im Team und geht mit gutem Beispiel voran. Die beiden Swingmen Eduardo Mingas und Carlos Morais sind die gefährlichsten Scorer im Team, aber auch ihnen fehlt es an internationaler Härte. Angola geht bei der Weltmeisterschaft mit einer athletischen und durchaus talentierten Mannschaft an den Start. Wie schon in der Vergangenheit ist es aber fraglich, ob die Afrikaner bei einem großen Turnier wirklich von sich reden machen können. Das Erreichen des Achtelfinales wäre schon als großer Erfolg zu werten, ob dies in der starken Gruppe A aber zu schaffen ist, darf angezweifelt werden. Argentinien: Rückkehr zu alten Erfolgen? Argentinien ist seit jeher bekannt für eine große Anzahl internationaler Spitzenbasketballer. Das Nationalteam konnte in den letzten Jahren aber trotzdem nicht die geforderten Erfolge einfahren. Nach Olympia-Gold 2004 hinkten die „Gauchos“ oftmals den Erwartungen hinterher: Vor vier Jahren bei der WM in Japan blamierte sich Argentinien mit einem frühen Achtelfinal-Aus. In Peking 2008 konnten sich die Südamerikaner immerhin die Bronze-Medaille umhängen. In der Türkei will das Team von Nationalcoach Sergio Hernandez an frühere Erfolge anknüpfen. Das Fehlen von NBA-Star Manu Ginobili könnte aber die Mission WM-Titel gefährden. Der Shooting Guard nimmt sich in diesem Sommer eine regenerative Auszeit. In Ginobilis Abwesenheit werden besonders Carlos Delfino und Aufbauveteran Pablo Prigioni gefordert sein. Eckpfeiler der Mannschaft ist Forward Luis Scola (Houston Rockets), der mit Andres Nocioni einen weiteren NBA-erfahrenen Spieler an seiner Seite weiß. Auch ohne Wirbelwind Ginobili stellt Argentinien eine brandgefährliche, weil äußerst routinierte Mannschaft. Nationalcoach Hernandez kann auf jeder Position erfahrene Akteure aufstellen. Wie weit es geht, wird in erster Linie davon abhängen, inwiefern das Fehlen von Ginobili und dessen individuellen Fähigkeiten kompensiert werden kann. Auch ohne den 31-Jährigen ist das Halbfinale aber möglich. Australien: Kein Bogut, (k)ein Problem Australiens Nationalcoach Brett Brown hat sich in den letzten Jahren heimlich, still und leise eine äußerst talentierte Auswahl zusammengeschustert. Schon bei den Olympischen Spielen in Peking war erst im Viertelfinale Schluss für die „Boomers“, wie das Nationalteam in Australien genannt wird. Auch für diesen Sommer hatte Australien durchaus ambitionierte Ziele, die durch den Ausfall von Center Andrew Bogut zunächst allerdings einen herben Stich erhielten. Der Schlüsselspieler laboriert weiterhin an einer Ellenbogenverletzung. Nichtsdestotrotz ist Australien mit beeindruckend viel Potenzial gesegnet, insbesondere in Korbnähe. Auch ohne Bogut können die Ozeanier mit David Andersen (Toronto Raptors) einen NBA-Big-Man aufbieten. Unterstützt wird dieser von Aleks Maric, der in der vergangenen Saison ins All-Euroleague-First-Team gewählt wurde, und dem Neu-Oldenburger Aron Baynes. Mit Patrick Mills wird ein weiterer NBA-Profi die Mannschaft auf der Point-Guard-Position führen. Das Erreichen des Achtelfinales sollte für Australien kein Problem darstellen. Je nach Gegner ist dann auch die Runde der letzten Acht im Bereich des Möglichen. Deutschland: Jugend forscht, die Zweite Der deutsche Basketball erlebt derzeit eine Renaissance. Ohne NBA-Star Dirk Nowitzki, Chris Kaman sowie diverse Veteranen, die inzwischen von der Nationalmannschaft zurückgetreten sind, ist nicht an die Erfolge früherer Tage zu denken. In der Nowitzki-Ära gelangen dem Team mit dem Adler auf der Brust u.a. ein dritter Platz bei der WM 2002 in Indianapolis und EM-Silber 2005. Auf Grund des Umbruchs im deutschen Kader sind inzwischen andere Ziele in den Vordergrund gerückt. Wie schon bei der Europameisterschaft in Polen im vergangenen Jahr geht es nicht vordergründig um die Platzierung, sondern um die Fortentwicklung des jungen Teams. Als Eckpfeiler der DBB-Auswahl sind dennoch auch altbewährte Kräfte vorgesehen: Forward Jan Jagla ist in der Abstinenz Nowitzkis zum Führungsspieler gereift. Ihm wird ebenso wie Demond Greene und Aufbauspieler Steffen Hamann eine wichtige Rolle in einem ansonsten nur wenig erfahrenen Team zukommen. Die Jungspunde Robin Benzing oder Tibor Pleiß sollen im Nationalteam weiter internationale Luft schnuppern und auf der Entwicklungsleiter eine weitere Stufe erklimmen. Ähnliches gilt für Scharfschütze Heiko Schaffartzik, der zwar schon 26 Jahre alt ist, aber in Polen im letzten Jahr sein erstes großes Turnier spielte. Was von der deutschen Mannschaft in der Türkei zu erwarten ist, lässt sich schwer prognostizieren. Die Vorbereitung verlief relativ durchwachsen, allerdings zeigte die Truppe von Dirk Bauermann auch immer wieder ihr immenses Potential. Das Überstehen der Gruppenphase wäre ein erster wichtiger Schritt für die DBB-Auswahl, um die in Polen begonnene Entwicklung erfolgreich fortzuführen. Trotz einiger schwerer Gruppengegner ist dies durchaus ein realistisches Ziel. Jordanien: Nur Außenseiterchancen für den WM-Neuling Jordanien ist in diesem Jahr zum ersten Mal bei einer Basketball-Weltmeisterschaft vertreten. Die Nation aus Vorderasien war bis dato noch nie wirklich auf der internationalen Bühne präsent und kann keine Erfolge vorweisen. Für eine umso größere Überraschung sorgten die Jordanier im vergangenen Jahr mit einem dritten Platz bei den Asienmeisterschaften, der gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft war. Dementsprechend unbekannt ist auch der Großteil der Akteure im Kader des portugiesischen Nationalcoaches Mario Palma. Im Kabinett der Namenlosen sticht mit Rasheim Wright jedoch ein Spieler hervor: Der eingebürgerte Shooting Guard war als Topscorer der Asienmeisterschaft mitverantwortlich für den letztjährigen Überraschungscoup. Neben dem gebürtigen US-Amerikaner bilden Aufbauspieler Osama Daghles und Forward Zaid Abbas das Fundament Jordaniens. Noch erwähnenswert ist Jamal Almaaytah, der einzige Sevenfooter im Kader, der in Altdöbern (Brandenburg) geboren wurde und auch einen deutschen Pass besitzt. Jordanien ist in Gruppe A der krasse Außenseiter. Die Mehrzahl der Akteure hat wenig bis keine Erfahrung auf internationalem Niveau. Das Weiterkommen wäre eine handfeste Überraschung. Serbien: Jung, hungrig, titelreif? Serbien ist eine der aufstrebenden jungen Basketball-Nationen. Die Auswahl vom Balkan machte bei der letztjährigen Europameisterschaft mit einer attraktiven und schon sehr abgeklärten Spielweise von sich reden, bezwang in den Ausscheidungsspielen Russland und Slowenien und musste sich erst im Endspiel der spanischen Dominanz beugen (85:63). Dementsprechend groß sind auch die Erwartungen, welche die Serben an ihre Mannschaft haben. Obwohl die Mehrheit der Akteure noch äußerst jung ist, sind fast alle im Team von Coach Dusan Ivkovic bei europäischen Eliteklubs angestellt. Nenad Krstic, der einzige NBA-Profi, ist mit 27 Jahren schon einer der ältesten Spieler Serbiens. Neben dem Center der Oklahoma City Thunder ist Milos Teodosic (23 Jahre, Olympiacos Piräus) der Schlüsselspieler. Der Aufbauspieler gehört ebenso zur aufstrebenden Basketball-Generation Serbiens wie die Swingmen Novica Velickovic und Milenko Tepic (beide ebenfalls 23 Jahre). Serbien kann in der Türkei eine der jüngsten und talentiertesten Mannschaften zugleich aufbieten (sofern es nach der Prügelei in Athen keine Strafen hagelt). Das interne Ziel lautet klar WM-Titel, doch ob es dazu in diesem Jahr schon reicht - gegen die weitaus erfahreneren Teams aus Spanien, Griechenland oder Argentinien - darf bezweifelt werden. Bei einem optimalen Turnierverlauf könnte Serbien aber dennoch um die vorderen Plätze mitspielen. Crossover-Tipp: Argentinien wird Gruppensieger vor Serbien und Australien. |