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Mittwoch, den 11. August 2010 um 21:36 Uhr
„Leben ohne Nowitzki und Kaman nicht ohne Reiz“
Von Sebastian Hader   
Rund 14 Tage vor Beginn der FIBA Weltmeisterschaft 2010 in der Türkei (28. August bis 12. September) steht für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft mit dem Beko Supercup am Wochenende ein echter Prüfstein auf dem Programm, wenn es gegen Kroatien, Litauen und WM-Gastgeber Türkei geht. COURT-VISION.DE sprach mit Bundestrainer Dirk Bauermann über den Supercup, den Verlauf der Vorbereitung und die bevorstehende WM.

Gebürtige, ehemalige und aktuelle Bamberger im Dress der deutschen Nationalmannschaft. Foto: Daniel Löb

Gebürtige, ehemalige und aktuelle Bamberger im Dress der deutschen Nationalmannschaft. Foto: Daniel Löb

Worum geht es für die deutsche Mannschaft in erster Linie beim Supercup?


Dirk Bauermann: „Wir spielen zum ersten Mal mit der jungen deutschen Nationalmannschaft in Deutschland. Wir haben zwei internationale Turniere hinter uns und diese auch mit Bravour bestanden, indem wir gegen stärkste Konkurrenz auf Zypern Zweiter geworden sind und das Turnier in Holland gewonnen haben. Insofern freuen wir uns sehr darauf, jetzt in Deutschland zu sein und vor eigenem Publikum zeigen zu können, was wir drauf haben. Wir hoffen, dass die Fans zahlreich in die Halle kommen, die Mannschaft anfeuern und keinen Unterschied darin sehen, ob ein Spieler aus Berlin, Oldenburg, den USA oder Bamberg kommt, sondern alle gleichermaßen unterstützen.“

Wie lautet die Erwartungshaltung speziell für das Wochenende?

Dirk Bauermann: „Sich zu entwickeln, alles abzurufen, was wir haben. Wir wollen auf höchstem Niveau verteidigen, den Ball gut bewegen, gute Entscheidungen treffen und die Physis, mit der die Kroaten, Litauer und insbesondere die Türken zu Werke gehen werden, annehmen. Im Augenblick müssen wir, denke ich, mehr auf Entwicklung schauen als auf bloße Resultate.“

Welchen Stellenwert hat das Turnier im Rahmen der Vorbereitung?


Dirk Bauermann: „Je näher wir an die WM kommen, desto wichtiger werden die Turniere. Es ist für unsere Mannschaft eine Möglichkeit, wieder gegen die Besten in Europa anzutreten, zu lernen, besser zu werden. Aber auch zu zeigen, dass wir uns mit ihnen auf Augenhöhe befinden. Insofern ist es vielleicht sogar das Kernstück der Vorbereitung, weil es doch mittlerweile relativ nah an der WM stattfindet und wir uns zum ersten Mal auf heimischem Boden vor den deutschen Fans präsentieren.“

Zum zweiten Mal ohne Dirk Nowitzki...

Dirk Bauermann: „Die Mannschaft hat schon im vergangenen Sommer mit ihrem Auftreten und ihren Leistungen Europa überrascht – auch ohne ihn. Wir haben den Europameister Russland geschlagen, sind in die zweite Runde eingezogen, haben Griechenland alles abverlangt und nur sehr knapp gegen Kroatien verloren, also den Sprung unter die letzten Acht verpasst. Es sieht so aus, als wenn wir da weitermachen könnten. Insofern ist auch das Leben ohne Dirk Nowitzki und ohne Chris Kaman nicht ohne Reiz.“

Dementsprechend darf man sich auf einen starken Supercup wie auch auf eine starke Weltmeisterschaft freuen?

Dirk Bauermann: „Wir haben eine Mannschaft, die über viel Potential verfügt und sich in den letzten drei Wochen sehr gut entwickelt hat. Es geht hier in Bamberg gegen stärkste europäische Konkurrenz. Bei der WM wird es mit Argentinien oder Australien dann noch einmal schwerer, aber wir haben eine Menge Selbstvertrauen und freuen uns auf die Aufgaben.“

Gibt es Dinge, die Sie im Rahmen der Vorbereitung besonders überrascht haben?

Dirk Bauermann: „Sehr gefreut hat mich, dass wir nur 24 Stunden nach dieser Lehrstunde, die uns die Griechen auf Zypern erteilt haben, eine tolle Leistung abgerufen haben. Das hat gezeigt, dass die Mannschaft sich auch von solch schwierigen Spielen und solchen Enttäuschungen schnell erholen und daraus lernen kann. Wir haben wahrscheinlich die jüngste Mannschaft bei der WM. Ein Verantwortlicher nahe an der Mannschaft hat ausgerechnet, dass die Griechen zusammen etwa 1.000 Spiele Europaligaerfahrung haben. Unser Team hat knapp an die 100, davon Steffen Hamann mit 48 mit Abstand die meisten. Bislang war die Entwicklung erfreulich. Wenn sie so weitergeht, darf man von uns auch eine schöne Weltmeisterschaft erwarten.“

Sie kehren wieder einmal nach Bamberg zurück, wo Sie viele Jahre Trainer waren, diesmal allerdings in eine Halle, die pleite ist. Wie geht es Ihnen damit?

Dirk Bauermann: „Ich freue mich natürlich sehr, wieder hier zu sein. Bamberg ist ein Stück Heimat für mich und wird es immer bleiben. Zur Hallensituation kann ich nichts sagen, weil ich viel zu wenig darüber weiß. Ich weiß allerdings auch, dass selbst in den sieben Jahren, in denen ich hier Trainer war, es eigentlich in jedem Sommer etwas gab und am Ende wurde doch alles gut. Insofern bin ich optimistisch und finde es natürlich für die Verantwortlichen, die Fans und ganz Basketball-Deutschland wichtig, dass es weitergeht – und das wird es auch irgendwie.“