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Sonntag, den 05. September 2010 um 15:01 Uhr
Regelneuerungen zur Saison 2010/2011
Von Felix Pflaum   
“Höher, schneller, weiter“ ist nicht nur das Motto der Olympischen Spiele, sondern offenbar auch der olympischen Sportart Basketball. Die athletischen und individuellen Komponenten des Sports zwischen den Körben gewinnen immer mehr an Bedeutung und sind mittlerweile zu seinem zentralen Merkmal geworden. Der Weltverband FIBA treibt diese Entwicklung voran, indem er nach der Weltmeisterschaft 2010/2011 einige Regeländerungen in Kraft setzt, welche auch ein Stück weit der Annäherung an die NBA dienen.

Der Weltverband FIBA setzt zur Saison 2010/2011 einige Regeländerungen in Kraft. Foto: Sportfoto Zink

Der Weltverband FIBA setzt zur Saison 2010/2011 einige Regeländerungen in Kraft. Foto: Sportfoto Zink

1948 führte der Weltverband die trapezförmige Zone, in der sich Angreifer nur drei Sekunden am Stück aufhalten dürfen, und 1984 nach US-amerikanischem Vorbild die Dreipunktlinie ein, welche seitdem unverändert 6,25m vom Korb entfernt blieb. Während die Angreifer durch die Zone nun zu mehr Bewegung gezwungen waren, da ein “Parken“ in Korbnähe nicht mehr erlaubt war und die Wege für kleine Spieler zum Korb wieder mehr geöffnet wurden, war die Verteidigung zuvor meist darauf aus gewesen, sich um den eigenen Korb herum “einzuigeln“ und den Gegner zu zwingen, aus größerer Distanz abzuschließen, von wo damals ja nur zwei Zähler erzielt werden konnten. Nach Einführung der Dreierlinie musste sie nun weiter nach außen rücken. Das Spiel wurde entzerrt und die Entscheidung, am Korb auszuhelfen, deutlich kniffliger, da dem Gegner durch den freien Wurf von außen nun ja drei statt zwei Punkte gutgeschrieben wurden. Mit zunehmender Athletik der Spieler wurden die Wege zwischen dem Zonenrand, wo sich die Big Men möglichst nahe am Korb aber auch außerhalb des “verbotenen“ Bereichs bevorzugt positionierten, und der Dreierlinie jedoch in den letzten Jahren gefühlt immer kürzer und leichter zu bewältigen; zudem stellte die Distanz von 6,25m für die immer besser trainierten Schützen keine allzu große Schwierigkeit dar.

Dreierlinie, Zone und “No-charge semi-circle“

Zur neuen Saison reagierte die FIBA daher mit drei unmittelbar auf dem Feld sichtbaren Maßnahmen: Erstens wird die Zone von der Trapez- in eine Rechteckform überführt, wobei ihre Fläche fast unverändert groß bleibt. Da die Breite an der Grundlinie statt bisher 6m nur noch 4,90m beträgt, können sich die langen Leute ohne zeitliche Beschränkung näher am Korb positionieren. Zweitens wird der Radius Dreierlinie um einen halben Meter auf 6,75m vergrößert, an der Seite allerdings ein Mindestabstand von 90cm zur Seitenauslinie eingehalten. Der Raum innerhalb des Halbkreises wird dadurch um etwa 15 Prozent vergrößert, neben längeren Wegen zur Hilfe wachsen die Bedeutung der Mitteldistanz sowie der Platz für Penetrationen zum Korb. Auf Letztere zielt die dritte Änderung ab, der sogenannte “No-charge semi-circle“. Im Radius von 1,25m um die auf den Boden projizierte Korbmitte kennzeichnet ein Halbkreis den Bereich, wo ein Verteidiger kein Offensivfoul eines zum Korb ziehenden Angreifers mehr aufnehmen kann, sofern beide Füße sich ganz oder teilweise innerhalb des Kreises befinden. Ziel dieser drei Änderungen ist es, das Spiel spektakulärer zu machen, mehr direkte Duelle am Zonenrand zu kreieren und Züge zum Korb mit krachendem Abschluss zu erleichtern.

24 Sekunden

Ähnlich revolutionär wie Zone und Dreierlinie wirkte sich die Einführung der Wurfuhr aus, seit 2000 ist die Angriffszeit auch im FIBA-Bereich auf 24 Sekunden begrenzt, innerhalb derer ein Korbwurf zu erfolgen hat. Grundsätzlich wird es auch zur neuen Saison bei dieser Angriffszeit bleiben, Neuerungen gibt es dahingehend, wann und wie die Angriffszeit zurückgesetzt beziehungsweise neu gestartet wird. War es bislang bei Foulpfiffen gegen die abwehrende Mannschaft oder Fußspiel eines Verteidigers generell Usus, den Angreifern neue 24 Sekunden zuzusprechen, gibt es neue 24 Sekunden jetzt nur noch, wenn das Foul vor der Überquerung der Mittellinie begangen wird. Im Vorfeld angekommen, bleibt bei einem Foul- oder Fußspiel die Angriffszeit unverändert, sofern die Wurfuhr noch 14 Sekunden oder mehr zeigt, bei 13 oder weniger Sekunden erfolgt ein Reset auf 14. Wirft ein Team auf den Korb und sichert sich, nachdem der Ball den Ring berührt hat, den Offensivrebound, hat es wie bisher wieder 24 Sekunden Zeit, um erneut auf den Korb zu werfen.

Einwurf nach Auszeit gegen Spielende

Die letzte kleine Neuerung stellt eine Verlegung des Einwurfpunktes Richtung Korb dar, wenn eine Mannschaft bei eigenem Ballbesitz in den letzten beiden Spielminuten oder einer Verlängerung eine Auszeit nimmt. Wurde ihr dann bisher, sofern der eigentliche Einwurfpunkt nicht ohnehin schon näher am Korb gewesen wäre, der Ball an der Mittellinie – 14m von der Grundlinie entfernt – übergeben, erfolgt der Einwurf zukünftig an einer Stelle der Seitenlinie gegenüber der Mannschaftsbänke, die laut Regelwerk 8,325m vor der Baseline liegt. Für mathematisch exakte Leser sei angemerkt, dass es sich dabei um die Stelle handelt, an der die Tangente an den Punkt der Dreierlinie, welcher der Mittellinie am nächsten ist, die Seitenlinie schneidet.

Eine graphische Darstellung des “neuen“ Basketballfeldes mit allen Abmessungen bietet dieses PDF.