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Samstag, den 30. April 2011 um 18:38 Uhr
Playoff-Vorschau: Die Meisterjäger
Von Felix Pflaum   
Die Phrase “nichts zu verlieren“ hat in der oberen Hälfte des Playoffbaums Hochkonjunktur, denn alles andere als eine Finalteilnahme des Deutschen Meisters und überragenden Hauptrundenchampions Bamberg wäre selbst in den Augen der drei anderen Teams eine riesige Überraschung. Allerdings haben die Clubs aus Quakenbrück, Braunschweig und Bremerhaven bereits bewiesen, dass sie zu einer solchen durchaus fähig sind.

Brose Baskets (1.) vs. Eisbären Bremerhaven (8.)

Kapitän Casey Jacobsen (Meister 2007 und 2010) weiß, wie man mit Bamberg Titel gewinnt. Foto: Sebastian Hader

Kapitän Casey Jacobsen (Meister 2007 und 2010) weiß, wie man mit Bamberg Titel gewinnt. Foto: Sebastian Hader

Im Vorjahr musste der Gewinner der regulären Saison ebenso wie seine drei ärgsten Verfolger bereits in der ersten Runde die Segel streichen, zwei der vier damals siegreichen Teams treffen dieses Jahr in der ersten Runde aufeinander. Alles scheint also möglich, obwohl es von der Papierform her kaum etwas gibt, was gegen das dominante Team der Monate Oktober bis April spricht.

Vollzählig wurden die Brose Baskets in Deutschland in dieser Spielzeit noch nicht besiegt, was viel über die hervorragende Struktur des Titelverteidigers aussagt. Fällt aus dem Oktett der ausländischen Spieler und Tibor Pleiß jedoch jemand aus, leidet die Qualität spürbar. Ohne Spielmacher John Goldsberry ließ man sich vom Tabellenletzten und ersten Absteiger aus Düsseldorf düpieren, ohne Brian Roberts fehlte das Überraschungsmoment gegen bissige Göttinger. Sucht man beim Team mit der besten Defensive und dem drittbesten Angriff eine Schwäche, fällt auf, dass man hin und wieder dazu tendiert, den Erfolg vom Perimeter zwingen zu wollen und den Ball nicht zunächst ans Brett zu bringen. Bleibt man fokussiert und ziehen alle Mann an einem Strang, ist man der Albtraum jedes Gegners.

Wenig sagen konnte Cheftrainer Chris Fleming nach dem letzten Hauptrundenspiel über den Kader des Gegners, den Verletzungsprobleme auf den kleinen Positionen und Abgänge aus mannigfaltigen anderen Gründen immer wieder zu Umbauten zwangen beziehungsweise veranlassten. Tyrone Brazelton spielte bisher nur einmal gegen die Oberfranken, seine Kollegen Everett und Brewer noch überhaupt nicht. Eine Konstante ist das System von Headcoach Doug Spradley, der wie schon in Paderborn eine sehr mannschaftliche Spielweise installiert hat, das im Schnitt die zweitmeisten Assists der Liga (hinter Berlin) produziert. Problem der Eisbären ist die Verteidigung, keiner der langen Leute Callahan, Denison, Shtein und Drevo ist als besondere Koryphäe beim Beschützen des eigenen Korbs bekannt, so dass die Zonenverteidigung ein fester Bestandteil des Spiels der Seestädter ist.

In der Underdogrolle fühlen sich die Nordlichter pudelwohl, die Erwartungen an das in letzter Sekunde auf den achten Rang gerutschte Team sind gering. Spradley hat 2009 mit Paderborn jedoch schon bewiesen, dass er keine großen Namen braucht, um große Favoriten gehörig ins Wanken zu bringen. Kommen die Eisbären in einen defensiven Rhythmus und können sie mindestens eines der beiden Auftaktspiele für sich entscheiden, wird Bamberg zeigen müssen, wie stressresistent und krisensicher man ist.


Artland Dragons (4.) vs. New Yorker Phantoms Braunschweig (5.)

Trainer Stefan Koch hat die Artland Dragons nach zwei Jahren Abstinenz in die Playoffs geführt. Foto: City Press

Trainer Stefan Koch hat die Artland Dragons nach zwei Jahren Abstinenz in die Playoffs geführt. Foto: City Press

Viele hatten es als Spiel um den dritten Platz beim TOP4 auf dem Zettel, dann sah es danach aus, als würde es das Finale werden, nun ist es das vom Papier her engste Duell der ersten Runde. Zwei Niedersachsen unter sich kämpfen nach den jeweils knapp von Bamberg zerstörten Finalträumen um ihre Chance, im Rennen um den letzten zu vergebenden nationalen Titel dieser Saison zu bleiben.

Mit Stefan Koch zurück in die Playoffs lautete das große Ziel an der Hase und der zweimalige Trainer des Jahres bewältigte die Aufgabe mit Hilfe eines gut ausgesuchten Liganeulings Rice auf der Aufbauposition und jeder Menge Bundesliga-Erfahrung daneben. Quakenbrück ist, solange Playmaker Rice die Kontrolle behält, vor allem deshalb ein unangenehmer Gegner, weil die Mannschaft wenig Fehler macht. Die Kehrseite ist eine gewisse Ausrechenbarkeit, Explosivität und Tempo sind nicht gerade die Tugenden der athletisch eher durchschnittlich besetzten “Drachen“. Kann man Tyrese Rice und Bryan Bailey vor sich halten, bremst man das Team aus dem Artland relativ effektiv aus.

Braunschweig konnte mehr als bestätigen, was man im Vorjahr mit dem Halbfinaleinzug andeutete. Ob die Abgänge Schaffartziks und Idbihis das Team wirklich geschwächt haben, kann kontrovers diskutiert werden, in jedem Fall wurde die Rotation dadurch kleiner. Ob Nick Schneiders in den Playoffs eine gute Rolle spielen kann, bleibt abzuwarten, der 2,21m-Mann agierte in seiner ersten Profisaison häufig zu ungestüm. Ohne ihn würde das Team jedoch auf acht Rotationsspieler reduziert, wobei vor allem auf den kleineren Positionen ein gewisser Engpass herrscht. Nur vier Spieler teilen sich hier drei Positionen, Nils Mittmann ist in fortgeschrittenem Alter als Small Forward nur noch eine Behelfslösung. Am Brett hingegen bietet man mit Kyle Visser, Jason Cain und Marcus Goree drei Spieler auf, die in der Liga dominant sein können, sofern sie erst einmal ins Rollen kommen.

Beide Mannschaften gleichen sich in ihrer Struktur mit einer zunächst relativ knappen Rotation auf den Guardpositionen, die durch Nachverpflichtungen erweitert wurde, und einem enorm tiefen Frontcourt. In intensiven Spielen daher ein cleveres Foulmanagement zu betreiben, um seine besten Leute in den entscheidenden Phasen noch auf dem Parkett zu wissen, wird daher die Aufgabe für die Spieler sowie die Coaches Koch und Machowski sein, die im rein deutschen Trainerduell als einzige einheimische Übungsleiter in der Meisterrunde aufeinandertreffen. Quakenbrück besitzt die besseren Schützen, Braunschweig mehr Durchschlagskraft in der Zone. Vor allem muss es den “Phantomen“ aber gelingen, die schnellen Guards der Dragons vor sich zu halten und seinerseits konstant zu attackieren.