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Sonntag, den 07. März 2010 um 21:01 Uhr
Guttenberg bringt dem BBC kein Glück
Von Michael Birkhan & Sebastian Hader   
Derbys haben ihre eigene Geschichte. Und jedes Derby schreibt ein Stück Geschichte. So auch die zweite Auflage des Duells BBC Bayreuth gegen die Chemnitz 99ers in der Saison 2009/2010. Dreimal sprang da der Ball Sekunden vor Ende an den Gästekorb, doch durch die Maschen fallen wollte er nicht. Und so gewannen die 99ers, vor allem dank einer starken ersten Hälfte, vor 3.485 Zuschauern in der Oberfrankenhalle mit 63:64 (23:36).

Point-Guard-Backup Drew Williamson avancierte mit 19 Zählern zum Topscorer der Begegnung. Foto: Marcus Arth

Point-Guard-Backup Drew Williamson avancierte mit 19 Zählern zum Topscorer der Begegnung. Foto: Marcus Arth

Neben 300 Chemnitzer Fans befanden sich unter den Besuchern auch das Team des Eishockey-Bayernligisten EHC Bayreuth, Ex-BBCler Dan Oppland sowie Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg samt Familie. Schon vor Spielbeginn verwandelte sich die Oberfrankenhalle in ein Tollhaus. Die beiden Fangruppen feuerten ihre Mannschaften bereits beim Aufwärmen an und feierten friedlich das bevorstehende Basketballfest. Der Jump musste jedoch zehn Minuten nach hinten verschoben werden, zu viele Fans standen noch vor der Halle in der Schlange. Pünktlich mit dem Spielbeginn traf dann auch der Ehrengast des Abends ein: Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, der einen Besuch in der Heimat nutzte, um mit seiner Familie das BBC-Spiel zu besuchen. Damit folgte er einer Einladung von Bayreuths Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl sowie Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Und er sollte, wie die restlichen Besucher, ein packendes Spiel sehen.

Im Spiel überzeugten zunächst die Gäste aus Sachsen. Die gingen durch Terren Harbut und Dima Rastatter in Führung, ehe in der vierten Minute Jermain Raffington per Dreier die ersten BBC-Punkte markierte. Eddie Seward und Jaivon Harris legten nach und sorgten damit gleichzeitig für die höchste Führung des Abends. Stan Bufford und Rastatter per Freiwurf stellten den Ausgleich her, mit einem Dreier brachte Gary Johnson seine Farben beim 7:10 wieder in Führung. Und die wurde fleißig ausgebaut, bereits neun Punkte Vorsprung sollten die 99ers nach dem ersten Viertel verzeichnen (9:18). Und der BBC-Rückstand wuchs weiter. Wieder dauerte es drei Minuten bis zu den ersten Zählern der Hausherren, während Chemnitz eine konsequente und clevere Verteidigung spielte, aber auch davon profitierte, dass viele Würfe des BBC nicht ihr Ziel fanden. Selbst gut herausgespielte Angriffszüge verpufften, der Vorsprung der 99ers bewegte sich zwischenzeitlich bei zwölf bis 14 Zählern, zur Halbzeit hieß es 23:36.

Aus dem VIP-Raum erschien zu Guttenberg im BBC-Trikot, ein Geschenk von Geschäftsführer Manfred Schöttner. Der Minister zeigte sich weiterhin volksnah, schüttelte Hände, ließ sich mit jungen Fans fotografieren und gab Autogramme. Und er konnte sich in den folgenden 20 Minuten mehr über das Spiel des Tabellenführers freuen. Der verkürzte auf 27:36, vier Minuten später sollten es gar nur noch sechs Punkte Rückstand sein, nachdem Pete Campbell sich unter dem Korb zum 32:38 durchgesetzt hatte. Der BBC war nun auf der Höhe, mit dem gewohnten Spiel der letzten beiden Wochen. Vor allem unter den Körben war das Wagner-Team fortan überlegen und münzte dies in Punkte um. Einem Dreier von Campbell zum 36:42 ließ Jaivon Harris fünf Zähler folgen, nach seinem Dreier, 44 Sekunden vor Ende des Viertels, stand es nur noch 41:42. Doch Chemnitz legte nach, Davon Roberts und mit seinem zweiten Buzzerbeater-Dreier Gary Johnson zeichneten für das 41:47 aus Bayreuther Sicht verantwortlich.

Chemnitz hat stets die passende Antwort

Mit zwei Tetzner-Freiwürfen ging es in die letzten zehn Minuten, nach 32 Minuten war dann für Michael Schröder Schluss: Nach einem Offensivfoul haderte der Center mit den Unparteiischen, kassierte ein technisches Foul, sein fünftes. An der Freiwurflinie vergab Alexander Rosenthal zwar einmal, traf aber auch zum 43:50. Eine Minute später legte Bufford zwei Zähler nach, Chemnitz führte wieder mit neun Punkten. So sollte es auch in der Folge bleiben. Sowie Bayreuth verkürzte, legten die 99ers nach, bauten den Vorsprung gar wieder auf elf Punkte aus. In der 38. Minute verwandelte Harbut per Freiwurf zum 51:62, doch das Spiel war noch nicht entschieden, denn der BBC kam zurück. Und wie: Raffington läutete mit einem Dreipunktspiel eine sehenswerte Aufholjagd ein. Anschließend luchste Drew Williamson Gary Johnson den Ball ab, kam im Fastbreak zum 56:62.

61 Sekunden vor dem Ende fielen zwei Williamson-Freiwürfe, zehn Sekunden später war für 99ers-Spieler Bufford Schluss, während Harris mit Freiwürfen auf 61:62 verkürzte. In der nächsten Aktion blockte Harris Michael Allen beim Wurf, der sich prompt mit einem Foul revanchierte und den früheren 99er wieder für zwei Treffer an die Linie schickte (63:62). Gäste-Coach Anton Mirolybov nahm eine Auszeit und gab die letzten Anweisungen. Zwar vergab Rastatter den nächsten Wurf, der Offensivrebound landete jedoch bei Harbut, der gefoult wurde und 15 Sekunden vor dem Ende zum 63:64 traf. Auszeit Bayreuth, Einwurf Seite. Der Ball kam unter den Korb, Harris warf an den Ring, Rebound Emeka Erege, Wurf, an den Ring, nochmals Rebound, doch erneut verfehlte der Ball sein Ziel knapp. Und so waren es die 300 mitgereisten Fans aus Chemnitz, die ihr Team feiern konnten.

Stimmen zum Spiel:


Anton Mirolybov (Headcoach Chemnitz 99ers): „Für uns war das Ziel, heute eine gute Defensivleistung zu zeigen. Wir haben fünf Spiele in Folge verloren, weil wir schlecht verteidigt haben und wussten, dass wir etwas ändern müssen. Heute haben wir sehr hart gearbeitet, auch wenn Bayreuth uns heute beim Rebounden den Schneid abgekauft hat. Vor allem im dritten Viertel war es teilweise ein sehr hartes Spiel. Am Ende konnte man sehen, warum Bayreuth die Liga anführt. Sie haben nie aufgegeben, selbst bei mehr als zehn Punkten Rückstand kurz vor dem Ende weiter gekämpft. Aber letztlich hat mein Team den nötigen Biss gehabt und ich muss jedem Spieler Respekt für den Sieg zollen.“

Andreas Wagner (Headcoach BBC Bayreuth): „Wir haben uns heute viel zu viele Ballverluste geleistet. Zudem wussten wir, das Chemnitz sehr aggressiv spielt, dass sie an ihre Grenzen gehen werden. Wir haben es nicht geschafft, die Leistung der letzten beiden Spiele zu wiederholen und wir mussten für jeden Punkt hart kämpfen. Chemnitz war heute hervorragend gegen uns eingestellt und hat eine hohe Intensität gezeigt. Sie wollten den Sieg heute etwas mehr als wir. Wir haben unsere Systeme nicht richtig durchgespielt und einige schlechte Würde genommen und uns teilweise selbst aus dem Spiel genommen. Wir dürfen noch nicht denken, dass wir durch sind, sondern müssen in jedem Spiel, das wir noch haben, alles geben um zu gewinnen. Wir werden hart arbeiten, um das nächste Spiel in Hannover zu gewinnen und ich verspreche, dass wir im nächsten Heimspiel wieder alles geben werden und hoffentlich gegen die Saar-Pfalz Braves gewinnen werden.“

BBC Bayreuth: Williamson (19), Harris (17), Raffington (13), Campbell (6), Seward (4), Tetzner (2), Jackson (2), Schröder, Barth, Erege
Chemnitz 99ers: Johnson (13), Rastatter (10), Roberts (9), Rosenthal (8), Bufford (7), Harbut (7), Lipke (6), Allen (4), Zyskunov, Ahnsehl
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