Montag, den 14. Juni 2010 um 12:43 Uhr
Solange die Orgel noch spielt, ist die Kirche nicht aus
Von Felix Pflaum   
Die Erwartungen sind groß in Bamberg, nach dem grandiosen Sieg im dritten Spiel gehen viele Basketballfans davon aus, dass die Brose Baskets beim Gastspiel bei den Deutsche Bank SKYLINERS am Dienstagabend ab 19.55 Uhr (SPORT1 live) ihr drittes Meisterstück machen werden. Headcoach Chris Fleming jedoch weiß, dass die aktuelle komfortable Situation schnell wieder umschlagen kann und warnt seine Schützlinge.

Zwischen Brose Baskets und dem dritten Meistertitel stehen noch mindestens 40 harte Minuten. Foto: Sebastian Hader

Zwischen Brose Baskets und dem dritten Meistertitel stehen noch mindestens 40 harte Minuten. Foto: Sebastian Hader

„Es war nur ein Sieg, wir sollten das möglichst schnell abhaken und uns auf das nächste Spiel konzentrieren. Frankfurt ist nicht umsonst ins Finale gekommen, man darf sie nicht unterschätzen, denn sie werden noch einmal mit aller Macht versuchen zurückzukommen“, wählte der Trainer in der Pressekonferenz fast dieselben Worte wie sein Center Tibor Pleiß, der nach einem unauffälligen zweiten Spiel vor heimischem Publikum vor allem mit seiner Präsenz am Brett und seinen Rebounds zu überzeugen wusste.

Gegen Pleiß' ehemaligen Verein aus Köln erlebten die Brose Baskets im Halbfinale 2006, dass ein hoher Sieg zur 2:1-Führung nicht gleichbedeutend mit dem Weiterkommen sein muss, zwei knappe Niederlagen später – der entscheidende Dreier von Sasa Nadjfeji mit der Schlusssirene des fünften Spiels ist noch heute Gegenstand vieler Bamberger Albträume – war man damals als Titelverteidiger auf einmal ausgeschieden.

„Die letzten 15 Minuten waren nur Schaulaufen, jetzt geht es erst richtig los“, maß auch Manager Heyder der Höhe des Erfolgs keine Bedeutung bei, weiß er doch genau wie alle langjährigen Basketballanhänger, dass die Playoff-Arithmetik nur die Termini Sieg oder Niederlage kennt. Ob hauchdünner Erfolg in letzter Sekunde oder Kantersieg wie am Sonntag geschehen – beide besitzen in den Playoffs den gleichen Wert und das nächste Spiel beginnt wieder ausgeglichen bei 0:0. „Wir werden am Dienstag sehen, welche Art Team wir sind und welches Herz wir haben“, machte SKYLINERS-Coach Gordon Herbert direkt nach der Lehrstunde, die seine Leistungsträger in den letzten zwölf Minuten mit Leichenbittermienen von der Bank aus verfolgen mussten, die kommende Begegnung zum Charaktertest und zur Frage der Ehre.

Siegen oder den zweiten Titel in dieser Saison an Bamberg abgeben zu müssen, lauten die Optionen der Hessen, zusätzlicher Motivation bedarf es laut Co-Trainer Klaus Perwas nicht: „Ich sehe es als Vorteil, so schnell nach dem dritten Spiel wieder aufs Feld zu müssen. Bamberg hat uns so bloßgestellt, dass sich jeder an die eigene Nase fassen und am Dienstag mit einer ganz anderen Einstellung zum Spiel kommen wird. Manchmal passiert so ein Einbruch in den Playoffs, im nächsten Duell wird man eine andere SKYLINERS-Mannschaft erleben.“

Auf einiges gefasst sollten die Bamberger daher in der Ballsporthalle sein und von Beginn an hellwach, um nicht ein ähnliches Schicksal in fremder Halle zu erleiden wie ihre Kontrahenten, die über die kompletten 40 Minuten im dritten Aufeinandertreffen nur die Bamberger Rücklichter sahen – am Ende bildlich gesprochen sogar nur noch durch ein Fernrohr. Den Oberfranken, die bislang stets den besseren Start erwischten, sollte es auch diesmal gelingen, ihr Spiel auf beiden Seiten des Feldes schnell zu etablieren und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Unterstützt werden sie dabei wieder von 500 eigenen Anhängern, die wiederum sämtliche ihnen nach den Ligastandards zustehenden Karten in Anspruch nehmen, um möglicherweise live dabei zu sein, wenn ihre Mannschaft den ersten Matchball nutzt und als erstes Team seit ALBA Berlin 2003 das Double gewinnt. Vor dem dann möglichen Hupkonzert, spielt aber noch einmal für mindestens 40 Minuten die Orgel.