Dienstag, den 15. Juni 2010 um 21:25 Uhr
SKYLINERS erzwingen den Showdown
Von Felix Pflaum   
Verfrüht feiern heißt oft vergebens feiern, mussten Fans und Team der Brose Baskets am Dienstag in der Frankfurter Ballsporthalle erfahren. Während man im Lager der Oberfranken nach dem Sieg im dritten Spiel die Serie vielerorts schon abgehakt und sich Gedanken über die Meisterfeier gemacht hatte, schlugen die Hessen eiskalt zurück. Nach dem 69:56 (35:30)-Heimsieg kommt es nun wie schon 2004 und 2005 zwischen Bamberg und Frankfurt zu einem fünften Spiel, um den Deutschen Meister zu ermitteln.

Spielmacher John Goldsberry bekam die Bamberger Offensive nicht wie gewohnt ins Laufen. Foto: Daniel Löb

Spielmacher John Goldsberry bekam die Bamberger Offensive nicht wie gewohnt ins Laufen. Foto: Daniel Löb

Erstmals in der Serie hatte es eine Änderung bei den Startaufstellungen gegeben, Gordon Herbert setzte auf die kampfstarke, rein US-amerikanische Variante und ließ den zuletzt schwachen Labovic zugunsten von Jenkins auf der Bank. Der Kanadier hatte damit offenbar auf das richtige Pferd gesetzt, denn Derrick Allen wurde von seinem Kollegen auf den langen Positionen zweimal mustergültig bedient und trug zum fulminanten 15:8-Start seines Teams bei, während die Brose Baskets schwer in die Gänge kamen und vor der Halbzeit nur phasenweise vorzeigbar agierten.

Vier Fehlwürfe gleich im ersten Angriff stimmten die mitgereisten knapp 1.000 oberfränkischen Fans darauf ein, wie die nächsten 20 Minuten ablaufen sollten. Zumindest die Abwehr stabilisierte sich nach dem Blitzstart der Hausherren, auf der Gegenseite lief Casey Jacobsen warm. Neun Punkte am Stück zum 15:16 schienen die Gäste auf Kurs zu bringen, doch McKinney netzte über Worthington zum 17:16 ein.

35:30 hieß es zehn Spielminuten später, "nur" musste man aus fränkischer Sicht hinzufügen. Vier Treffer bei zwölf Freiwurfversuchen sprachen Bände über die Konzentration des Pokalsiegers, der erstmals im Serienverlauf beim Seitenwechsel im Hintertreffen lag. Symptomatisch für das Phlegma seines Teams schleppte sich Predrag Suput behäbig über das Parkett, unternahm nur halbherzige Versuche, den Korb zu attackieren, und ließ jegliches Engagement in der Defensive vermissen. Mit der ersten Aktion nach dem Seitenwechsel, einem butterweichen Jumphook, ließ er sein Können aufblitzen, es sollte aber eine Ausnahme bei seiner sonst schwachen Leistung bleiben. Mit 14 Zählern setzten sich die Gastgeber nach 30 Minuten ab, führten ihre Gäste dabei über weite Strecken vor.

Ballbewegung im Angriff fand bei den Bambergern kaum statt, ihrer Sache offenbar zu sicher war von der gewohnten Intensität kaum etwas zu sehen. Auch am defensiven Ende versuchten sich die Spieler häufig als Solisten und sprengten damit das Abwehrgefüge, woraufhin freie Würfe für die Gastgeber heraussprangen. „Auf geht’s zu Spiel fünf“, hieß es in der Halle vor dem finalen Abschnitt bereits, noch gab Bamberg sich aber nicht geschlagen. Pleiß und Roberts, gemeinsam mit Jacobsen die Lichtblicke an diesem Abend, brachten ihr Team vier Minuten vor dem Ende auf 55:53 in Schlagdistanz, doch die SKYLINERS ließen sich den verdienten zweiten Erfolg nicht mehr aus der Hand nehmen.

Roller mit einem hohen Floater brachte Frankfurt wieder auf die Tafel, der kurz zuvor wieder ins Spiel gebrachte Suput "krönte" seine Vorstellung mit einem Offensivfoul und Reese zeigte sich von der Linie eiskalt. Das Spiel war wieder in Frankfurter Hand und blieb es bis zur Sirene, Bamberg hingegen sollte seine Lektion gelernt haben.

Stimmen zum Spiel:

Chris Fleming (Headcoach Brose Baskets): „Gratulation nach Frankfurt zu einem absolut verdienten Sieg. Sie haben mit sehr viel Energie gespielt, uns ist es nicht gelungen, die nötige Spannung zu generieren und so hat wie in allen Spielen das Team gewonnen, welches mehr investieren konnte. Wir sind nicht gut mit der Situation umgegangen, haben vorne den Ball viel zu lange gehalten. Jetzt freuen wir uns auf das fünfte Spiel, wir glauben immer noch an den Titel und müssen es schaffen, den Sieg mehr zu wollen.“

Gordon Herbert (Headcoach Deutsche Bank SKYLINERS): „Der Druck lag heute bei uns und wir haben die große Herausforderung hervorragend gemeistert. Niemand hätte erwartet, dass wir in diese Situation kommen würden, jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren.“

Brose Baskets: Jacobsen (14), Roberts (13), Suput (10), Pleiß (9), Goldsberry (5), Brown (4), Worthington (1), Gavel, Wyrick, Tadda
Deutsche Bank SKYLINERS: Allen (19), Reese (11), McKinney (11), Doliboa (10), Robertson (6), Roller (5), Jenkins (4), Labovic (3)
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