Donnerstag, den 17. Juni 2010 um 21:09 Uhr
Ohne Drama kann ja jeder – Bambergs heißes Double-Jahr
Von Felix Pflaum   
„It feels great to be home“, freute sich Casey Jacobsen im August 2009 bei seiner Rückkehr nach Bamberg, die Meistertrophäe würde vielleicht ähnliches sagen, hätte sie die Fähigkeit zur Artikulation. COURT-VISION.DE gratuliert den Brose Baskets zum Gewinn des Doubles und blickt auf die turbulente Zeit zwischen der Heimkehr des Helden von 2007 und der des roten Bretts, das er nach dem 72:70-Sieg in Frankfurt zum zweiten Mal stemmen durfte, zurück.

Dem Beko BBL Pokal folgt das Meisterschild: Die Brose Baskets sind Double-Gewinner. Foto: City Press

Dem Beko BBL Pokal folgt das Meisterschild: Die Brose Baskets sind Double-Gewinner. Foto: City Press

Gemessen an den Erwartungen vor Saisonbeginn könnte man meinen, der doppelte Triumph in Pokal und Meisterschaft sei keine große Überraschung. Vier Starter des Vorjahreshalbfinalisten sowie wichtige Rollenspieler konnten gehalten werden, dazu kam mit Casey Jacobsen der absolute Wunschspieler aus Berlin zurück an die Regnitz und in Person von Brian Roberts ein Guard, der für mehr Überraschungsmomente in der zu braven Offensive sorgen sollte. Anfangs noch skeptisch beäugt wurde die Besetzung des zweiten Centers, nach dem gescheiterten Tim Ohlbrecht kam in Person von Tibor Pleiß scheinbar derselbe Typ, nur um noch ein Jahr jünger. Ausgerechnet auf ihn war jedoch auch in den schweren ersten Saisonmonaten immer Verlass.

Denn was in der Vorbereitung noch gut aussah, entwickelte sich schnell zu einer ausgewachsenen Krise. Der Auftaktniederlage bei Titelverteidiger und Angstgegner Oldenburg folgte ein wackeliger Heimsieg gegen Tübingen, ehe Manager Wolfgang Heyder nach der Niederlage in Ulm das erste Mal die verbale Keule auf den Tisch packte. „Jeder redet von Titeln, mit solchen Leistungen werden wir es aber schwer haben, die Playoffs zu erreichen“, gab er zu Protokoll, nicht wissend, dass noch weit Schlimmeres folgen sollte. Endete der Oktober mit einem Sieg in Quakenbrück und der erfolgreichen EuroCup-Qualifikation noch golden, kam es im November knüppeldick. Züngelten nach zwei vergeigten Auswärtsspielen in Frankfurt und Weißenfels, als man in der zweiten Halbzeit jeweils hohe Führungen aus der Hand gab, bereits erste Flammen, brannte es schließlich lichterloh. Ausgerechnet von den Erzrivalen aus Berlin und Bonn hatte sich die Mannschaft im eigenen Wohnzimmer ohne große Gegenwehr vorführen lassen und mit sechs Pleiten aus den ersten acht Spielen die Pokalteilnahme schon fast aus den Augen verloren.

John Goldsberry verletzt, Brian Roberts überfordert – personelles Nachrüsten tat Not und Anton Gavel erwies sich als die perfekte Wahl. Mit dem Sieg nach Verlängerung in Düsseldorf fiel der Schalter, die restliche Hinrunde wurde mit einer Bilanz von 8:1 abgeschlossen, die Pokalqualifikation noch geschafft und auch europäisch spielte man die beste Saison seit der ersten Euroleagueteilnahme 2005/06. Zwar blieb ob der erneuten Niederlagen gegen Oldenburg und in Bonn ein Zweifel, inwiefern man mit der Spitze mithalten könne, dennoch schipperte die Brose-Kogge nun in ruhigerem Fahrwasser. Spätestens am 17. Februar mit dem Sieg im Pokalviertelfinale über Berlin hatte die Mannschaft, die man im November noch am liebsten aus der Stadt gejagt hätte, die Herzen der Fans wieder gewonnen, auch die Kritik an Trainer Chris Fleming, der sein Konzept unbeirrt weiter verfolgt hatte, wurde immer leiser.

Der Pokalsieg in Frankfurt gegen Göttingen und die Gastgeber im April ohne auch nur einmal in Rückstand gelegen zu haben, unterstrich die Möglichkeiten, die das Team, das mit Mark Worthington noch einen weiteren Leistungsträger hinzubekommen hatte, besitzt. Zum Triumphzug gerieten schließlich die Playoffs: Sechs Siege in Serie im Viertel- und Halbfinale – gegen Bonn und Oldenburg-Bezwinger Braunschweig – hatte es in Bamberg noch nie gegeben, auch das Meisterschaftsfinale, wie im Pokal ging es gegen Frankfurt, geriet letztlich trotz des Schönheitsfehlers zum Auftakt zu einem einzigen Triumphzug.