Donnerstag, den 10. November 2011 um 21:28 Uhr
Kaunas lässt Bamberg nie vorbeiziehen
Von Felix Pflaum (Foto: Sebastian Hader)   


Würde es für die Redensart “Was er mit den Händen aufbaut, reißt er mit dem Arsch wieder ein!“ eines treffenden Beispiels bedürfen, wäre die TV-Aufzeichnung des Gastspiels der Brose Baskets bei Zalgiris Kaunas perfekt geeignet. Die bislang sieglosen Litauer gewannen mit 81:70 (46:43), weil ihre Kontrahenten aus Deutschland auf sehr starke Momente immer wieder völlige Konfusion an den Tag legten.


Als gäbe es in der Starkstromleitung des hochtourigen Brose-Motors einen Wackelkontakt, der bei allzu viel Dynamik die Vorstellung immer wieder unterbricht, präsentierte sich die Mannschaft in Litauens größter und neuester Basketballarena. Eine erste Hälfte ohne defensive Antworten nach dem Blitzstart mit Sieben-Punkte-Führung sowie offensives Stückwerk nach dem Seitenwechsel mit lediglich 27 selbst erzielten Zählern lässt die Ausgangssituation für die Oberfranken nun so aussehen, wie man es vor der Saison unbedingt vermeiden wollte. Nur ein Sieg aus den drei Duellen gegen Malaga, Kaunas und Zagreb, wobei sich die Kroaten bislang als Fallobst entpuppten und all ihre Spiele mit über zehn Punkten Differenz verloren, macht einige mittelschwere Überraschungen notwendig, sofern man noch gedenkt, das Saisonziel “TOP16“ zu erreichen.

Weems dominiert vor der Pause

Welcher Wind auf diesem Niveau weht, offenbarte sich in Kaunas nur allzu deutlich. Den 4:11-Start schnell verdauend, begann Zalgiris die Bamberger dort zu attackieren, wo sie sich bereits gegen Malaga verwundbar gezeigt hatten – in der eigenen Zone. Popovic riss die Partie nach seiner Einwechslung an sich, mit einem 16:4-Run ihrerseits übernahmen die nach drei Niederlagen unter riesigem Druck stehenden Grünen das Kommando, während Bamberg zurückschreckte und nicht die entsprechende Antwort fand. Erst im zweiten Viertel schalteten der davor und danach nicht zu sehende Jenkins mit acht erzielten und die Bamberger Defensive mit nur 16 zugelassenen Punkten, wobei man beim Buzzerbeater des heißgelaufenen Weems einfach machtlos war, einen Gang nach oben und verkürzten nach zwischenzeitlichem Ausgleich von 28:21 auf 46:43 aus Gastgebersicht.

Frust in den Schlussminuten könnte noch viel kosten

Das Schema, welches sich bis dato abgezeichnet hatte, setzte sich aber auch nach der Pause fort. Bamberg schaufelte sich selbst ein Loch, steckte nach harter Arbeit fast wieder den Kopf aus der Erde, um dann doch wieder abzurutschen und es erneut zu versuchen. Sisyphos hätte seine Freude an den Korbjägern aus der Domstadt gehabt, die nach zweistelligem Rückstand in der 34. Minute durch Slaughters Einsatz beim Offensivrebound noch einmal auf 64:62 verkürzten. Man holte sich den Ball durch 24 Sekunden intensive Verteidigung, ehe Tucker, der sich offensiv erneut zu selten produktiv in Szene zu setzen vermochte, an der Freiwurflinie versagte und die große Ausgleichschance liegen ließ.

Einzig Gavel schien nun noch an den Sieg zu glauben, machte mit einem Korbleger noch einmal Hoffnung, doch spätestens mit Javtokas' brachialem Put-Back fand Bambergs Widerstand ein Ende und man ließ in den letzten Minuten – Erinnerungen an Charleroi im Vorjahr wurden wach – den Gegner die Differenz noch in eine Höhe schrauben, die für den Gewinn des direkten Vergleichs im Rückspiel eine Parallele zur nächsten griechische Sage bemüht: Jetzt muss wohl Herakles ran.

Zalgiris Kaunas:
Weems (22), Popovic (13), Rakovic (12), Lawson (8), Kalnietis (8), Jankunas (6), Javtokas (6), Delininkaitis (4), Klimavicius (2), Collins, Kuzminskas, Lipkevicius
Brose Baskets: Suput (19), Slaughter (11), Jenkins (10), Pleiß (8), Gavel (8), Roberts (6), Jacobsen (4), Tucker (4), Tadda
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