Sonntag, den 06. November 2011 um 04:50 Uhr
Chancenlose Hessen locker besiegt
Von Felix Pflaum (Foto: Daniel Löb)   


Erst schwiegen 60 Sekunden die Trommeln, dann 17 Minuten die Pfeifen der Schiedsrichter und am Ende nur noch die Frankfurter Fans. Obwohl es ab dem zweiten Viertel schien, als würden die Brose Baskets mehrere Gänge zurückschalten, um den neu formierten alten Rivalen nicht völlig zu demontieren, feierten sie gegen die Fraport SKYLINERS einen deutlichen 97:63 (43:25)-Heimsieg.


Viel war zu hören und lesen gewesen in den vergangenen Woche über den angekratzten Burgfrieden in der Bankenstadt, die gesalzene Spielerschelte von Muli Katzurin und seine resignierenden klaren Aussagen, er sehe sein Team nicht dazu imstande, mit den Spitzenmannschaften der Liga dauerhaft mitzuhalten. „Ich bin 35 Jahre in diesem Geschäft und kann allen nur einen Rat erteilen: Geben Sie nichts auf Dinge, die in Pressekonferenzen gesagt werden“, relativierte er seine Aussagen zwar augenzwinkernd, der Zustand seiner Mannschaft ließ jedoch Spekulationen aufkommen, dass bald ein anderer Übungsleiter Gast auf den Pressekonferenzen werden könnte.

Klassenunterschied wurde schnell deutlich

Seinen Mannen fehlten schlicht und ergreifend Mittel, um die gewohnt sattelfeste Bamberger Abwehr auf konstanter Basis unter Druck setzen zu können. Einzelaktionen waren bei mäßigen Quoten das Mittel der Wahl für die Hessen, Bamberg zog nach der ungewohnt stillen Anfangsminute – durch das Schweigen der Trommler gedachten beide Fanlager den am vergangenen Samstag bei der Rückfahrt vom Spiel in Gießen ums Leben gekommenen Angehörigen des Göttingers Marco Grimaldi – die Zügel an und durch das gewohnte schnelle, exakte Offensivspiel rasch davon. Selbst eine blutende Wunde auf dem Kopf von Kapitän Casey Jacobsen stoppte die Oberfranken nicht, die bereits 37:18 führten, als nach 17 Minuten mit Marcus Slaughter der erste Bamberger ein persönliches Foul beging.

Alle eingesetzten Spieler punkten


Einzig die kurze Phase zwischen eben dieser 17. und der 19. Minute ließ Chris Flemings Puls an der Seitenlinie nach oben ausschlagen, weil seine Mannen den richtigen Weg zwischen Zielstrebigkeit, Ergebnisverwaltung und Entertainment verließen und dem Gast neun Punkte in Serie zum 37:25 erlaubten. Die zu diesem Zeitpunkt bereits von den meisten Anwesenden als einseitig abgehakte Partie schien auf dem Weg zu einem echten Basketballspiel, doch Jenkins, der zuvor mit einem Drive und abschließendem Dunking geglänzt hatte, und Tucker stellten mit sechs Punkten für Bamberg wieder klare Verhältnisse her.

Um die 20 Punkte blieb die Differenz dann auch im dritten Viertel quasi konstant, erst am Ende wurde es richtig deutlich. Neben einem starken Tadda konnten hier auch Philipp Neumann und Daniel Schmidt mit schönen Punkten am Korb in Erscheinung treten. Frankfurt in jedem Fall blieb nur die Statistenrolle.

Stimmen zum Spiel:

Muli Katzurin (Headcoach Fraport SKYLINERS):
„Gratulation an Bamberg, sie haben besser als wir gespielt. Wir haben es versucht, aber es war nicht genug, um hier zu bestehen. Wir müssen aus diesem Spiel lernen, die Saison wird noch lang. Bamberg hat wirklich gut gespielt und vor allem die langen Spieler beim Pick and Roll sehr gut eingesetzt, so dass uns oft nur das Foul als Mittel blieb. Wir haben zwar im Training simuliert, wie Bamberg spielt, das ist ja kein Geheimnis, aber im Spiel ist das oft eine andere Geschichte."

Chris Fleming (Headcoach Brose Baskets): „Unsere Fans, dafür habe ich mich in der Enttäuschung am Donnerstag vergessen zu bedanken, waren heute zum zweiten Mal in einer Woche sehr stark, meine Spieler haben sich sehr wohl gefühlt und es tat uns gut, nach der Niederlage heute wieder zuhause spielen zu können. Die Anfangsphase war so, wie wir sie erwartet haben. Wir haben sehr konzentriert in der Verteidigung begonnen, Julius Jenkins und P.J. Tucker waren heute sehr stark."

Brose Baskets: Jenkins (20), Tadda (13), Tucker (12), Slaughter (10), Gavel (8), Pleiß (8), Roberts (8), Neumann (6), Suput (4), Schmidt (2)
Fraport SKYLINERS: Leuer (17), Gray (10), Robertson (8), McKinney (7), Davidson (6), Thompson (6), Nolte (4), Herber (3), Ohlbrecht (2), Franke
Ausführliches Scouting