Donnerstag, den 17. Juni 2010 um 22:12 Uhr
Brose Baskets sind Deutscher Meister
Von Felix Pflaum   
In einem unglaublich dramatischen fünften Finale haben es die Brose Baskets geschafft! Mit 72:70 (32:27) haben sie die Deutsche Bank SKYLINERS niedergerungen, den Meistertitel und damit erstmals in der Vereinsgeschichte auch das Double an die Regnitz geholt. Zwar mobilisierten die Hessen um die herausragenden Roller, Doliboa und Reese noch einmal alles, am Ende setzen sich die Gastgeber allerdings hauchdünn durch!

Die Brose Baskets feiern nach dem Pokalsieg auch die Deutsche Basketball-Meisterschaft 2010. Foto: Daniel Löb

Die Brose Baskets feiern nach dem Pokalsieg auch die Deutsche Basketball-Meisterschaft 2010. Foto: Daniel Löb

Dieselben zehn Mann wie im vierten Spiel standen zum Sprungball auf dem Feld, auf der einen Seite Goldsberry, Gavel, Jacobsen, Suput und Pleiß, auf der anderen Reese, McKinney, Robertson, Allen und Jenkins. Mit einem Suput-Dreier auf Gavel-Assist erwischten die Gastgeber vor 6.800 lautstarken Zuschauern einen Start nach Plan, auch die nächsten vier Zähler gingen auf das Konto der Hausherren, während Frankfurt zwei schlechte Entscheidungen von Jenkins beklagte. Als dann Goldsberry nach dem 7:0 auch noch per Dreier zum 10:0 einschoss, sah sich Gordon Herbert gezwungen, die Bremse zu ziehen und eine Auszeit zu nehmen. Wie heiß es in der Halle zuging, zeigte sich daran, dass den Spielern der Oberfranken in der Auszeit mit Handtüchern Luft zugefächert wurde, man wusste nicht erst nach Jenkins' Punkten zum 10:2, dass es ein langer Weg werden würde. Sehr früh nahm Frankfurt den ersten Wechsel vor, für den mit zwei Fouls belasteten McKinney kam Roller nach drei Minuten. Mit dem hatte Tono Gavel offenbar noch eine offene Rechnung, ohne mit der Wimper zu zocken versenkte er über ihn den Dreier zum 15:4. Überhaupt waren es die "kleinen“ Bamberger, die den Ton angaben, Roberts vollstreckte aus dem Dribbling heraus zum 18:6, Goldsberry, bis dato Topscorer, erzielte von der Linie seine Punkte acht und neun. Acht Minuten waren gespielt und es stand 22:6 für die Hausherren, 22:8 führten sie bei der ersten Viertelsirene.

"geMAINsam“ prangte es aus der Ecke der Frankfurter Bank, die Gästefans vertrauten den Steherqualitäten ihrer Jungs, bei denen nun Derrick Allen die Verantwortung übernahm und auf 22:11 verkürzte. Roller nutzte einen Switch, um über Suput zu werfen – und im Gegensatz zu Roberts auf der Gegenseite hatte er das Glück mit dem Ring auf seiner Seite. Doliboa legte nach und auf einmal waren die Gäste in der 13. Minute obenauf, sie hatten auf 22:17 verkürzt. Bamberg nahm die Auszeit, schickte die erste Fünf wieder aufs Feld und brachte Suput ins Spiel, der für die ersten oberfränkischen Punkte im zweiten Viertel sorgte. Dies sollte aber die Ausnahme bleiben, in der Zone gab es für die Domstädter zu selten ein Durchkommen, weshalb die SKYLINERS weiter aufholten. Gavels Korbleger zum 26:20 war in dieser Phase Gold wert, die Abwehr hielt anschließend wieder besser dicht und Jacobsen ging aufgrund von Teamfouls an die Freiwurflinie, wo er um zwei Zähler erhöhte. Ein "Solo“ von Roberts machte den Vorsprung wieder zweistellig, ehe Jenkins sich nach einem Foul nach Offensivrebound – eins der wenigen Probleme in Bambergs Abwehr bis dahin – von der Linie keine Blöße gab. In die Kabine durften die Brose Baskets allerdings nur eine Führung von fünf Zählern mitnehmen, denn Roberts verstopfte sich übermütig und Roller nutzte im Gegenzug eiskalt die Gelegenheit, seinen dritten Dreier zum 32:27 einzulochen. Bamberg musste sich vorwerfen, seine Innenspieler zu wenig in Szene gesetzt zu haben, bis auf Suput, dem sieben Zähler – bei allerdings acht Versuchen aus dem Feld – gelungen waren, hatte noch keiner der langen Leute Punkte gesammelt.

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Ein weiter Dreier von Gavel bedeutete einen erneut guten Start für die Brose Baskets, auch die nächsten Zähler gingen auf das Konto des Slowaken, der bedient von Suput perfekt zum Korb schnitt. Assistiert von Goldsberry meldete sich endlich auch der "Boss“ im Spiel, per Korbleger zum 39:29. Bamberg schien nun die Oberhand zu haben, logischerweise nahm Frankfurt umgehend die erste Auszeit, um sich neu zu ordnen. Jacobsen blieb perfekt von der Linie zum Zwölf-Punkte-Vorsprung, Rollers schneller Dreier gegen die Zone traf nur den Ring und Suput blieb nach einem Foul ebenfalls cool zum 43:29. Frankfurt meldete sich zurück, Reese und Allen zum 45:33, doch Gavel ließ Roller stehen und traf den Korbleger. Reese nahm es in die Hand, schob zwei Gegner vor sich her und brachte die Hessen wieder auf zehn Punkte heran. Zwölf Minuten vor Schluss ging es in die heiße Phase, endgültig hielt es nun keinen mehr auf seinem Sitzplatz. Roberts zeigte sich Reese körperlich nicht gewachsen, der immer wieder zum Korb durchkam, zudem fing den vor dem Wechsel so sicheren Freiwerfern nun die Hand zu zittern an. 29 Minuten waren vergangen, als Doliboa vom Wohltätigkeitsstreifen zum 49:43 traf, Reese per Dreier übers Brett spitzte die Situation weiter zu. Der letzte Angriff gehörte Bamberg und dank des übereifrigen Jenkins, der den Dreierversuch zu aggressiv störte, konnte Goldsberry mit drei Freiwürfen das 52:46 besorgen.

Wie im Vorfeld zu erwarten, war also noch nichts entschieden vor den womöglich letzten zehn Minuten der Saison. Mit Zonenverteidigung stoppte Bamberg den ersten Frankfurter Angriff und konnte im dritten Anlauf durch Pleiß die ersten Punkte verbuchen. McKinney konterte frei aus der Ecke per Dreier, die Spannung war beinahe mit Händen zu greifen. Suput traf nur einen Freiwurf zum 55:49, Reese und Jacobsen verloren den Ball – auch an den Spielern ging der Nervenkitzel nicht vorüber. Nur Seth Doliboa zeigte sich als "Eisschrank“, versenkte von weit außen den Dreier. Pleiß perfekt von der Linie, McKinney trocken mit der Antwort nach einer Finte, sechs Minuten vor dem Ende bot sich den Gästen die Chance, mit einem Dreier auszugleichen, doch man verzog und Jacobsen legte zum 59:54 ab. Doliboa und Pleiß scorten am Brett, Doliboa, von Suput nicht zu kontrollieren, erneut aus der Distanz. 61:59 und noch dreieinhalb Minuten zu gehen – das Drama nahm seinen Lauf. Ein Geistesblitz von Jacobsen bescherte Worthington einen Dunk, zu Beginn der letzten zwei Minuten verkürzte Roller per Dreier aus der Ecke auf 63:62. Noch 1:40, Pleiß über Doliboa zum 65:62, doch zehn Sekunden später foult Gavel Reese beim Dreierversuch. Der lässt den ersten an der Linie liegen, verkürzt wieder auf einen und 1:11 vor Schluss passt Gavel den Ball ins Aus. 57,2 Sekunden sind es noch, Doliboa geht an die Linie und wirft beide vorbei, im Gegenzug haut Gavel in größter Bedrängnis den Dreier zum 68:64 rein – noch 34 Sekunden auf der Uhr! Als Tanzmariechen moblisiert Hallensprecher Steger noch einmal letzte Stimmreserven im Publikum, die Bamberger Defense hingegen hält nicht lange Stand. Nur vier Sekunden verstreichen, dann legt Roller zum 68:66 ab, bei noch 30,3 Sekunden ist nun die Fleming-Truppe ebenso gefragt wie Gordon Herbert: Verteidigen und auf die letzten Sekunden hoffen oder foulen? Bei noch 20,7 Sekunden schickt Reese Goldsberry an die Linie, der keine Nerven zu haben scheint. Für Roller gilt dasselbe, er haut aus vollem Lauf den Dreier zum 70:69 rein und es sind noch lange 13,5 Sekunden Zeit. Ein letztes Mal gibt es eine Bamberger Auszeit, danach ist es erneut Goldsberry, der an die Linie geschickt wird und diesmal nur einen treffen kann. Roller, wer sonst, wird anschließend gebremst, noch 6,6 Sekunden sind es, als er an die Linie schreitet, aber den zweiten Versuch ebenfalls nicht verwerten kann. Pleiß hat den Rebound, sofort hängen zwei Mann in seinem Arm, noch 5,3 Sekunden. Einmal trifft der Yougster, der zweite geht vorbei, wird von Suput nach außen getippt und Goldsberry wirft ihn wie einst Stafford in die Höhe – das Spiel ist aus, nach dem Pokal auch die Meisterschaft in Bamberg!

Stimmen zum Spiel:

Gordon Herbert (Headcoach Deutsche Bank SKYLINERS): „Gratulation an Bamberg, sie haben heute eine großartige Leistung gezeigt. Sie kamen zu Beginn beider Halbzeiten hervorragend aus der Kabine und haben uns überrascht. Wir konnten uns zweimal zurückkämpfen, aber zweimal war es nicht gut genug. Ich bin stolz, wie meine Jungs sich präsentiert haben, aber auch ein wenig enttäuscht. Warum schickt man zum entscheidenden Finale nicht die besten drei Schiedsrichter? Die Schauspielerei von Goldsberry, der ein großartiger Spieler ist, haben wir die ganze Serie über moniert, aber Moritz Reiter ist wie schon im zweiten Spiel darauf hereingefallen. Ich möchte betonen, dass diese Aussage unabhängig vom Spielausgang ist, ich will nicht als schlechter Verlierer dastehen.“

Chris Fleming (Headcoach Brose Baskets):
„Es ist schwierig, Frankfurt jetzt Glückwünsche auszusprechen, denn ich kenne das Gefühl aus 2007, wenn man beide nationalen Endspiele verliert. Die SKYLINERS haben unglaubliches Herz gezeigt, seit Gordon Herberts Ankunft spielten sie noch zwei Etagen höher als zuvor und waren heute perfekt vorbereitet. Für uns war der Sieg eine extrem große Bestätigung, denn vielen war es immer nicht gut genug, was wir taten – und jetzt haben wir zwei Titel, die uns keiner mehr wegnehmen kann. Am Ende waren wir auf einigen Positionen müde, Tibor Pleiß hat es uns auf beiden Seiten des Feldes dann gewonnen. Ich bin stolz auf die Jungs und danke allen Spielern und unseren Fans! Zu Goldsberry möchte ich widersprechen, obwohl er schmächtig ist, wirft er sich immer dazwischen und nimmt viel Kontakt auf. Wir hatten nie Beanstandungen wegen Floppings bei ihm.“

Brose Baskets: Gavel (16), Goldsberry (15), Suput (10), Pleiß (10), Roberts (8), Jacobsen (6), Brown (4), Worthington (3), Tadda
Deutsche Bank SKYLINERS: Roller (20), Doliboa (19), Reese (13), Allen (7), McKinney (5), Jenkins (4), Labovic (2), Robertson, Moyer
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