Sonntag, den 07. März 2010 um 11:20 Uhr
Albatrosse mit harten Bandagen an die Kette gelegt
Von Felix Pflaum   
ALBA Berlin gilt als die spielstärkste Mannschaft der Bundesliga, ebenso berüchtigt ist jedoch die Abneigung der Hauptstädter gegen physisches Spiel. Genau an der richtigen Stelle setzten daher die Brose Baskets den Hebel an, um wie schon im vergangenen Jahr in der Berliner o2 World zu gewinnen. Mit 64:79 (35:40) fiel dabei das Endergebnis noch deutlicher aus als in der Vorsaison.

Über 1.000 mitgereiste Fans aus Bamberg feierten in der o2 World den verdienten Brose-Sieg. Foto: Daniel Löb

Über 1.000 mitgereiste Fans aus Bamberg feierten in der o2 World den verdienten Brose-Sieg. Foto: Daniel Löb

30 Fouls begingen die Bamberger Spieler in den intensiven 40 Minuten auf dem Court, auch Coach Chris Fleming holte sich vor dem Seitenwechsel ein Technisches ab, als er vehement einen Pfiff gegen Goldsberry reklamierte. „Als wir in der zweiten Halbzeit aufgehört haben, mit den Schiedsrichtern zu diskutieren, lief es besser“, fand der Trainer, der unter der Woche seinen 40. Geburtstag feierte, indirekt lobende Worte dafür, dass seine Schützlinge sich nicht aus dem Konzept hatten bringen lassen. Ganz im Gegenteil zum Kontrahenten, denn die Gastgeber aus der Hauptstadt trugen deutliche Spuren der energischen Gangart der Oberfranken. Verunsichert und im Angriff zu selten konsequent genug, ließen sie nicht nur von der Dreierlinie (nur 2 Treffer bei 20 Versuchen), sondern auch bei den Freiwürfen (30/42) massig Punkte liegen.

Dabei mussten sie sich den Schuh anziehen, den auch die Brose Baskets in dieser Saison schon oft trugen: Sie erzwangen ihr Glück nicht am Brett, sondern wählten den "weichen“ Weg, es immer wieder von außen zu versuchen. Die Domstädter hingegen, an der Spree vor dem Spiel besonders wegen ihrer Distanzwurfkünste gefürchtet, probierten es so selten aus der Distanz wie noch nie in der laufenden Spielzeit und attackierten immer wieder die Schwachstellen der ALBA-Verteidigung. Außer dem gestern recht wenig eingesetzten Cemal Nalga besitzen die Berliner keinen brauchbaren Verteidiger im Lowpost, zudem ist mit der Verletzung von Jurica Golemac die Personaldecke auf der Power-Forward-Position arg dünn. Elton Brown und Peja Suput wussten daraus ihre Vorteile zu schlagen, wurden immer wieder an den richtigen Stellen in Szene gesetzt.

Nach der ersten Berliner Führung im Spiel (6:5) trugen acht Punkte der beiden langen Männer den Löwenanteil an einem 10:2-Lauf der Gäste. Es entwickelte sich ein zerfahrenes Spiel, oft unterbrochen von Schiedsrichterpfiffen, in dem Bamberg dank eines tollen Laufs von Tadda über das gesamte Feld nach dem ersten Viertel mit vier Punkten (13:17) vorne lag. Im zweiten Abschnitt hatten die rund 1.500 lautstarken Bamberger Schlachtenbummler dann die kritischsten Momente des Abends zu durchleben, denn nach drei Freiwürfen von Jenkins und Punkten von Chubb hatten die Gastgeber ihren höchsten Vorsprung (29:25) herausgespielt und dabei auch das bereits erwähnte technische Foul gegen die Bamberger Bank heraufbeschworen. Welches Vertrauen Chris Fleming mittlerweile in seine Mannen hat, zeigte sich daran, dass er in dieser Phase keine Auszeit nahm. Die in rot gekleideten Franken wussten offenbar auch so, was zu tun war, ALBAs deutlichste Führung blieb gleichzeitig die letzte, zur Pause stand ein 35:40 auf der Anzeigetafel.

Pavicevic: Das habe ich noch nicht erlebt


„Glückwunsch an Bamberg. Sie haben stark und konstant gespielt. Was bei uns passiert" ist, fällt mir schwer zu begreifen. Wir haben eigentlich genau die Energie aufgebracht, die nötig ist für solch ein Spiel. Es schien jedoch als ob uns das Spiel umso mehr aus den Händen geronnen ist, je mehr wir investiert haben. Es ist ein komisches Gefühl - das habe ich noch nicht erlebt. Wir hätten noch zwei Tage lang so weiter spielen können und es wäre immer so weiter gegangen“, bilanzierte Luka Pavicevic, allerdings wäre foulbedingt wohl nach zwei Tagen kein Bamberger mehr übrig geblieben. Pleiß und Brown hatten schon zur Pause drei gesammelt, Jacobsen kassierte früh im dritten Viertel bereits sein viertes und Goldsberry erlebte das Spielende mit fünf von der Bank. Diese riskante Gangart trug jedoch Früchte, nach 24 Minuten war das Polster erstmals in zweistelligen Regionen (40:50). Mit der Viertelsirene verkürzte McElroy auf 51:58, die große Aufholjagd fiel im Schlussabschnitt aber aus.

Denn nicht der amtierende beste Offensivspieler der Liga, Julius Jenkins, der bei sieben Versuchen aus der Distanz erfolglos blieb, riss dort das Geschehen an sich, sondern Bambergs Brian Roberts. Elf Punkte markierte er, nur zwei weniger als das gesamte Heimteam. Mit dem ersten von drei Dreiern, als er Hamann aus dem Dribbling den Wurf "ins Gesicht“ drückte, schuf er klare Verhältnisse, zwei weitere Treffer von jenseits der 6,25m machten den Sieg perfekt und ließen die Brose Baskets nach der 44:62-Hinspielniederlage sogar am direkten Vergleich schnuppern. Wenigstens diese Schmach konnten die Albatrosse sich aber ersparen, während Chris Fleming mit seinem Statement den Bamberger Fans aus der Seele sprach: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft!“

ALBA Berlin:
Jenkins (15), Sekulic (11), Chubb (10), McElroy (8), Byars (7), Dojcin (5), Nalga (5), Wright (3), Zwiener, Hamann
Brose Baskets: Suput (16), Roberts (14), Brown (13), Gavel (11), Jacobsen (9), Pleiß (5), Worthington (4), Goldsberry (4), Tadda (3), Garrett
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