Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 10:53 Uhr
Jacobsen: Werde “Freak City“ nicht mehr verlassen
Von Sebastian Hader / Annika Lohneiß (Foto: privat)   


2007 glich es einem Wunder, als mit Casey Jacobsen ein Ex-NBA- und gestandener Spanien-Profi zu den Brose Baskets wechselte. Mit Unterbrechungen hat eben jener Casey Jacobsen vier Jahre später fünf Titel mit den Oberfranken gesammelt und unlängst bis 2014 in Bamberg verlängert. In seinem Urlaub nahm sich der 30-Jährige die Zeit und sprach mit uns über seine Vertragsverlängerung und seine Liebe zu “Freak City“.


Casey, wo und wie verbringst Du Deinen wohlverdienten Sommerurlaub?

Casey Jacobsen: „Ich werde mich erst einmal von der langen Saison erholen, um mental und physisch wieder bereit zu sein, unsere Titel in der kommenden Saison erneut zu verteidigen. Meine Familie und ich werden Zeit zuhause in den USA in Park City, Utah, verbringen und ich plane, einige meiner besten Freunde zu treffen, die ich sonst während der Saison nicht sehen kann. Außerdem wollen wir mit den Kindern für eine Woche an den Strand von Newport in Kalifornien und einen Ausflug ins Disneyland machen.“

Kurz vor Deiner Abreise hast Du in Bamberg bis 2014 verlängert. Man darf davon ausgehen, dass der Deal nicht auf der Meisterfeier ausgehandelt wurde. Also Hand auf's Herz: Wann hast Du für Dich die Entscheidung getroffen, in Bamberg bleiben zu wollen?


Casey Jacobsen: „Ich wusste bereits nach den ersten Wochen der Saison, dass ich in Bamberg bleiben möchte, aber mein Agent hat bis Februar keine ernsthaften Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Ich selbst habe über Vertragsangelegenheiten auch nicht mit Manager Wolfgang Heyder oder Headcoach Chris Fleming geredet. Ich habe mich ausschließlich auf die Saison konzentriert und mein Agent, Chris Emens, hat sich um die geschäftlichen Details des Vertrages gekümmert. Das ist sein Job. Mein Job ist es, hart zu spielen und zu gewinnen.“

War ein langfristiger Vertrag von Anfang der Wunsch beider Seiten?

Casey Jacobsen: „Ich wollte einen langfristigen Vertrag. Ich möchte nirgendwo anders spielen als in Bamberg. Ich hoffe, dass ich meine Basketball-Karriere bei den Brose Baskets beenden kann.“

Das Gesamtpaket stimmt: Ihr habt das Double verteidigt und spielt in der kommenden Saison wieder in der Euroleague. Hättest Du auch bei einem anderen Ausgang der Saison zu einem so frühen Zeitpunkt in Bamberg verlängert, wenn überhaupt?

Casey Jacobsen: „Die Saison war nicht perfekt. Wir haben einige Spiele verloren, die wir hätten gewinnen müssen – vor allem in der Euroleague. Aber wir haben unsere nationalen Titel erfolgreich verteidigt und das war sehr wichtig. Und ja, ich wäre auch nach Bamberg zurückgekommen, wenn die Saison anders verlaufen wäre. Ich habe 'Freak City' einmal verlassen (nach 2007, um in Memphis zu spielen). Ich werde dem Verein nicht noch einmal den Rücken kehren, es sei denn Bamberg will mich nicht mehr.“

Hast Du jemals zuvor in Deiner Karriere einen Vertrag über einen solchen Zeitraum unterschrieben? Und wer hat die Entscheidungsgewalt: Der Basketballer oder der 30-jährige, dreifache Familienvater Casey Jacobsen?

Casey Jacobsen: „Mein erster Vertrag in der NBA ging über drei Jahre. Seitdem habe ich stets mit Einjahresverträgen gespielt, was nicht einfach ist. Die Entscheidung, einen Dreijahresvertrag zu unterschreiben, war hingegen leicht für mich, sowohl als Sportler als auch als Familienvater. Meine Frau und die Kinder sind das Wichtigste in meinem Leben. Ich versuche, jede Entscheidung zu deren wie zu meiner eigenen Zufriedenheit zu treffen.“

Du hast jetzt dreieinhalb Spielzeiten in der Bundesliga absolviert. Wie schätzt Du die Entwicklung in Deutschland ein, beispielsweise im Vergleich zur spanischen ACB, wo Du ebenfalls aktiv warst?

Casey Jacobsen: „Es ist eine Tatsache, dass sich die Bundesliga über die letzten Jahre stetig verbessert hat. Die Brose Baskets haben in Europa einiges an Respekt gewonnen und gelten als starkes, hart und selbstlos spielendes Team, das sich auf höchstem europäischen Level messen kann. Andere Teams, wie ALBA Berlin (EuroCup-Finale 2010) und Göttingen (EuroChallenge-Gewinner 2010), haben auch gezeigt, dass die deutsche Liga einige der besten Spieler und Trainer im Basketball besitzt. Die spanische ACB ist immer noch die beste europäische Basketball-Liga. Aber hat sie sich so verbessert und weiterentwickelt wie die BBL in den letzten fünf Jahren? Ich glaube nicht.“

In drei Jahren Bamberg hast Du fünf Titel gesammelt. 2007 warst Du der Star der Mannschaft, speziell in diesem Jahr war die Mannschaft der Star. Welche Entwicklung hat der Spieler Casey Jacobsen über die Jahre genommen?

Casey Jacobsen: „2007 liegt augenscheinlich weit zurück, aber ich war gewiss nicht der einzige Star im Team von damals. Darren Fenn und Steffen Hamann waren auch immens wichtige Spieler. Ich persönlich hatte eine komplett andere Rolle verglichen mit den letzten zwei Spielzeiten. 2007 wollte mich Trainer Dirk Bauermann als den aggressiven Scorer des Teams, weil es zu dieser Zeit erforderlich war. Während der vergangenen beiden Saisons unter Chris Fleming war meine Rolle mehr die des Anführers und Spielmachers. Wir brauchten mich nicht als erste oder zweite Angriffsoption. Wir hatten Spieler wie Predrag Suput, Brian Roberts oder Anton Gavel, die alle scoren können. Das hat mir wiederum geholfen, mein eigenes Spektrum zu erweitern: Zu punkten, zu rebounden, zu passen und einfach einen positiven Einfluss auf dem Feld zu haben. Ich denke, dass ich mich in den letzten zwei Jahren zu einem kompletteren Spieler im Vergleich zu meiner ersten Saison in Bamberg entwickelt habe.“

Die aktuelle Meistermannschaft hat sich neben sportlicher Klasse vor allem durch enorme Willens- und Charakterstärke ausgezeichnet. Was fehlt ihr, um in der kommenden Saison international den nächsten Schritt machen zu können?

Casey Jacobsen: „Wir hatten eine großartige Saison, aber eines unserer Ziele, nämlich auch in der Euroleague den nächsten Schritt zu gehen, haben wir noch nicht erreicht. Ich bin froh, dass wir in der Saison 2011/2012 erneut die Gelegenheit dazu haben werden. Uns fehlen noch beständigere Leistungen von Spielern wie mir oder den anderen Erfahrenen im Team. Wir können es uns nicht leisten uns auszuruhen, wenn wir in der Euroleague spielen. Ein bisschen mehr Größe könnte uns außerdem helfen, einige der Topteams zu verteidigen. Wir können uns in allen Bereichen verbessern, aber man darf auch nicht außer Acht lassen, dass wir nur ein Spiel mehr hätten gewinnen müssen, um in die TOP16 zu kommen.“

Welche Ziele hast Du Dir für die kommenden drei Jahre in Bamberg gesteckt?


Casey Jacobsen: „Das kann ich nicht verraten, weil das eine sehr persönliche Angelegenheit ist. Eines kann ich sagen: Es ist mein Ziel mit den Brose Baskets, als einer der Elite-Clubs in Europa angesehen und respektiert zu werden. Bamberg ist eine tolle Stadt mit den begeisterungsfähigsten Fans, die ich je in einem Sport gesehen habe und ich denke, dass auch sie einen Teil zum Erfolg unseres Teams beitragen.“

Abschließend ein Blick in die Zukunft: Nach Ablauf Deines Vertrages wirst Du fast acht Jahre in Deutschland gespielt und gelebt haben. Ist für Dich ein Karriereende und möglicherweise sogar ein Leben in Deutschland denkbar oder steht der Plan, in jedem Fall in die USA zurückzukehren?


Casey Jacobsen: „Ich weiß noch nicht, was ich nach meiner aktiven Laufbahn machen werde, aber ich würde definitiv in Erwägung ziehen, in Deutschland zu leben und in einer anderen Position im Basketball zu arbeiten. Meine erste Wahl ist allerdings meine Heimat, die USA. Deutschland hat mich und meine Familie in den letzten Jahren aber sehr gut aufgenommen und ich bin sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, meine Basketball-Karriere hier fortzusetzen.“